(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Rundschreiben an die Fremdenverkehrs- und Ansichtskartenverwaltungsstuben aller Land-, Stadt-, Dorf- und Einödämter!
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen der verwaltungstechnischen Belastung durch den Tourismus! Der nicht nachlassende Verkehr mit Fremden, zwischenzeitlich auch Tourismus geheißen, erfordert, dass wir darüber nachdenken, in welcher Richtung wir uns Gedanken machen sollten, unsere wohl bedachte Arbeitsweise zu überdenken. Es gilt in gewohnter Bedächtigkeit zu bedenken, dass die Erhaltung der Verwaltung unbedingten Vorrang vor irgendwelchen untergeordneten Interessen planlos umher irrender Touristen haben muss, die die Zuständigkeitsbereiche unserer unzähligen Tourismusstellen bis in die Wochenenden hinein verunsichern.
Einer Störung seit Jahrzehnten bewährter und geregelter Arbeitsabläufe durch den Störfaktor Tourist muss jede ordentliche Tourismusbehörde rechtzeitig den Bürotürriegel vorschieben. Sichern Sie daher die Grenzen Ihres touristischen Kanzleihorizonts und pochen Sie auf die Beibehaltung althergebrachter Strategien, um den ungezügelten Verkehr mit Fremden in die Schranken der Verwaltung zu weisen:
1. „Willst du was gelten, mache dich selten!“: Halten Sie Ihre Amtsstube oder noch besser Ihr ganzes Gebäude generell verschlossen und öffnen Sie, wenn überhaupt, für den Parteiverkehr nur in einer von niemand nachvollziehbaren Unregelmäßigkeit. Das hält Ihnen konfus daher fragende Fremdenverkehrende vom Leib. Widmen Sie sich stattdessen dem genauen Ausfüllen Ihrer Statistiken.
2. „Eile mit Weile“: Das Internet stellt aufgrund seiner Schnelligkeit für jede Behörde eine Gefahr dar. Internet erzeugt Tempo, Tempo erzeugt Unruhe, Unruhe erzeugt Touristen, in unverhofft kommender Art und Weise. Veröffentlichen Sie im Interesse ungestörter Bürostunden nichts im Internet, wodurch man Sie oder - noch schlechter - Ihre Region rasch finden könnte.
3. „Schuster bleib’ bei deinen Leisten!“: Stellen Sie nur Ihren kommunalen Kleinkreis touristisch vor. Drucken Sie in Zehntausenderauflagen Faltblätter über alles, was auf Ihren Gemarkungen als Sehenswürdigkeit durchgehen könnte, wie z. B. Feldkreuze, Beichtstuhltürklinken, Koppeldrahtzäune, Rathausdachrinnen, Gänseblümchenkolonien usw. Erwähnen Sie niemals benachbarte Städte, Orte oder touristische Attraktionen außerhalb Ihres Gebietes und kooperieren Sie nie über Ihre Verwaltungsvorgaben hinaus.
Vermeiden Sie alle Angaben, die erkennen lassen, dass Ihr Fremdenverkehrseiland in einer größeren Region liegt, die es ermöglichen könnte, ihre Lage geographisch einzuordnen. Halten Sie sich bei Ihren touristischen Aktivitäten genau an die Ihnen zugeteilten Flurstücksnummern und sehen Sie Ihr Terrain immer als eine Insel in unbekannten Gewässern. In diesem Sinne „Kappt die Leinen!“ und auf ein weiterhin erfolgreiches Nebeneinanderherarbeiten.
In gegenseitiger Unkenntnis und daher hochachtungsvollst:
Ihre Flurstück-Touristik Oberpfalz



