(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
„Jetzt wird’s hint’ höher wie vorn!“ sagte der Kutscher als ihm über die Böschung hinunter die Kutsche nachkam. Die weiteren und letzten Worte des Talfahrers sind nicht überliefert, da der aufschlagenden Kutsche kurz vor der Bodenberührung der Kutscher dazwischen kam.
Selbstredend, dass in diesem Fall der Kutscher ausgeredet hatte. Der Stellungswechsel, bei dem die Kutsche plötzlich oben war und er unten, bekam dem Kutscher so schlecht, dass ihm nicht einmal mehr schlecht wurde. So blieb ihm wenigstens die flaue Magengrube erspart, als das eigene Räderwerk die Oberhand gewann und der Rädelsführer als Geräderter unter die Räder geriet, was von ihm und seinem Gefährt nur einen zertrümmerten wertlosen Haufen übrig bleiben ließ. „Jetzt wird’s hint’ höher wie vorn!“ ist also ein Zitat aus dem Fachjargon der Fahrzeuglenker.
Hier wird ebenso knapp wie treffend beschrieben, wie sich Gleichgewicht und gesunde Horizontale in eine gesundheitsfeindliche schiefe Ebene verwandeln. Bei einem ungesunden Ausgang darf man noch von Glück sprechen - wenn es schlechter ausgeht, geht man dabei ein. Jetzt gibt es doch tatsächlich ganze Volkswirtschaften, die sich so in die Kutschenanbetung hineinkutschiert haben, dass sie im allgemeinen Krisenstrudel - mit dem Gesäß auf dem Kutschbock der Automobilindustrie festgewachsen - „hint’ höher wie vorn“ den Abhang hinunterjagen. Die Augen groß wie Kutschenräder.
Vor allem seit am Aschermittwoch mit dem Fasching die letzte Anti-Wirtschaftskrisen-Droge ihre Wirkung ausgehaucht hat, muss auch der durchschnittliche deutsche Sozialsäufer den Katastrophen-Kutschenkorso ohne Narkose miterleben. Ob die Welt überhaupt noch aus etwas anderem besteht als abstürzenden Kutschen und schwindsüchtigen Banken, weiß derzeit keiner. Möge der heilige Fiacrius (Schutzpatron der Kutscher) unser „Jetzt wird’s hint’ höher wie vorn!“ nicht so enden lassen wie die Flugbahn des eingangs beschriebenen Kutschers. Jeder Abhang hat ein Ende und wenn die Kutsche bis dahin hält – na ja, dann wird’s auch irgendwann mal wieder „vorn höher wie hint’!“




