(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Das Bierzelt ist eine gestellgestützte Plane zur Abdeckung von menschlichen Anhäufungen. Wenn der abzudeckende Menschenhaufen wegen seiner möglichen Haufengröße nicht in bestehenden Schupfen, Ställen, Fahrsilos, Mähdrescherunterständen oder kleinstädtischen Schulturnhallen untergebracht werden kann, dann wird vor allem bei Festivitäten auf dem flachen Land ein zeltähnliches Hadern-Monstrum errichtet.
Als Zeltboden dient entweder eine sauere Wiese oder der extra mit lungengängigem Brechsand aufgefüllte, zentrale Hundepissplatz der Ortschaft.
Haben Veranstalter und ein so genannter Festwirt dieselbe Einstellung zu den Gästen, dann spart man sich die Zeltbodendielen. Sollte sich die zugrunde liegende Wiese oder die städtische Hundelatrine beispielsweise wegen der auslaufenden Maßkrugwaschanlage in Morast verwandeln, kann man der Gefahr eines hochmoorähnlichen Verschwindens von Besuchern, die ja immerhin ihr Bier noch nicht bezahlt haben könnten, jederzeit auch mit tschechischen Hobelspänen oder mit Rindenmulch entgegen treten.
Das von der Nutzviehhaltung her bekannte „Einstreuen“ hat sich auch in Wildsaugehegen bestens bewährt. So wird die Entstehung von Seuchen und das Anschimmeln der Zeltinsassen faktisch im Keim erstickt.
Der Zustand des Zeltes spiegelt sich im Festwirt und seinem Personal wieder. Gott sei Dank tränen einem wegen der ölofenartig qualmenden, betagten Gockerl-Friteuse im Zelt die Augen.
Diesen glücklichen Umstand vervollkommnet eine ebenfalls frittierdampfbedingte Schwellung der Nasenschleimhaut, die einem eine weitere Wahrnehmung der Zeltbesatzung über das Geruchsorgan erspart.
Den Blick zur Bühne beleben imposante Zeltmasten mit leblosen Fronleichnamsbirken aus dem Vorjahr, deren verdorrter Anblick Durst macht. Überhaupt steht alles was Durst macht und sich irgendwie zu Geld machen lässt absolut im Vordergrund. Je lebloser die Zeltdekoration desto lebhafter die Phantasie des Festwirts in punkto Anstachelung zum Suff. Der Hochaltar der Profitanbetung ist die Bar. Hier lief der letzte Rest von gastronomischer Kultur im Gehirn der Zeltbetreiber zusammen und gipfelt in einer neongiftgrüngelb beleuchteten, zwei Meter fünfzig hohen Deko-Alcopop-Flasche, von der aus ein Tarnnetz die Machenschaften der Hobby-Mixer hinter der Bar überspannt und glücklicherweise verdunkelt.
So muss man sich das Anrühren der Wodka-Himbeer-Erfindungen nicht mit ansehen und auch eine zeitweilige Erblindung nach dem Genuss des Drinks bleibt dank der Dunkelheit unbemerkt.
Ein Zelt ist nun mal in erster Linie dazu da, um abzudecken. Was also soll da Qualitätsgehabe? – Auf ins Bierzelt Marke Landausgabe!

