(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Es war einmal irgendwo im verträumten Bayern, da entnahmen findige Tiergärtner einem Eisbärengelege ihres Zoos einen angebrüteten Eisbären. Der Gehegemutterbär machte nämlich Anstalten, das frisch geschlüpfte Schnuckelbärchen ohne einen Funken Gefühl für Plüschtierromantik aufzufressen.
Vielleicht wollte die Alte die Konstruktion des Setzlings überarbeiten. Das soll’s in dieser widernatürlichen Raubvieh-Natur ja geben, dass die Alten sich die Jungen nochmals durch den Kopf gehen lassen, sprich einfach hinunterwürgen, weil irgendetwas nicht passt. Als Resultat einer erfolgreichen Verdauung mütterlicherseits hätte aber der Zögling kein schönes weißes Teddybärchen abgegeben und das Märchen vom lieben Viecherl wäre vorschnell und unschön in der Zoolatrine der Raubtierabteilung zu Ende gegangen.
Also übernahmen zweibeinige Eisbärenersatzmuttern ohne verzehrende Absichten die Weiterentwicklung der Story vom harmlosen Kuschelkätzchen. Das Zoogehegekommando hat natürlich sofort erkannt, was da für ein wertvoller Propagandabraten in der Eisbärenröhre heranbruzzelt. Regelmäßige, medienwirksame Aufgüsse würden das weiße Wollwürstchen zu einem Dukatenesel mit Rekordstuhlgang aufquellen lassen.
Vorausschauend nannte man ihn Flocke. „Flocke bringt Flocken!“ Damit das inszenierte Bärchenmärchen im Tiergarten die erhofften Geldhaufen auch schei . . . bchenweise produziert, häufen sich in Erwartung besagter Haufen Toilettenhäuschen mit vorgelagerten Imbissbuden, Bärendreckverkäufer, Bärlauchsieder, Flockengießer, Flockenschnitzer, Flockenmaler, Bärenausstopfer.
Apropos Ausstopfer: Es gab im verträumten Bayern auch einmal einen Bären namens Bruno. Der war allerdings braun und kam über Österreich. Was braun ist und über Österreich kommt, lässt sich in Deutschland schlecht als Märchen verkaufen. Der Braunbär Bruno hatte außerdem den Fehler, dass er ausgewachsen war und sich völlig kontrakuschelig verhielt. Er wagte es, Tiere zu reißen und deren Fleisch zu fressen. Das passt halt nicht.
Hätte er sich mal lieber wie der Bärenmarke-Bär benommen, Kühe gemolken und Milchkannen herumgetragen oder wie Flocke Gras gefressen. So kann man dem Volk einen Bären verkaufen und Bärli-Bärli-Wallfahrten auslösen. Brunos Ansicht von Natur war eine andere und deshalb traf ihn das Los der Ausstopfung. Seine Auffassung von einem Bären war einfach museumsreif. Dort steht er jetzt für Eintrittsgeld und bringt Flocken - wie Flocke. Es lebe die Natur! Na denn: Bring’ Flocken Bruno!



