Des Joahr fangt scho guat o
(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Der bayerische Räuber Mathias Kneißl soll angeblich vor seiner Hinrichtung, die - noch angeblicher - an einem Montag war, gesagt haben: „Die Woch’ fangt scho guat o“. Wäre er als Raucher am ersten Januar des Jahres 2008 in Bayern hingerichtet worden, hätte er – ebenfalls angeblich - sagen können: „Des Joahr fangt scho guat o“.
Die Enthauptung von Rauchern hat sich aber in Bayern politisch nicht durchsetzen lassen. Dabei wäre es durch die direkte Einwirkung auf die Luftröhre die sicherste Raucherentwöhnung überhaupt, wobei „überhaupt“ hier nicht stimmt, denn die Enthauptung setzt ja nicht „über Haupt“ sondern „unterm Haupt“ an. Die lasche bayerische Gesetzgebung hat es also keinem Raucher gegönnt, im Schatten des Schafotts oder vor einem Erschießungskommando mit so einem schönen letzten Spruch wie der Räuber Kneißl geschichtsträchtig einzugehen.
Eine je nach Ausdünstungsgrad eingefärbte Umweltplakette hat man den Rauchern ebenfalls verweigert. Diesen Vorzug genießt nur der völlig harmlose Autoverkehr. Rußpartikelfilter für Raucher wären hinsichtlich rückwärtiger Ausgasungen technisch leicht machbar. Die nikotinverseuchte Ausatmung könnte man aber nur über Ganzkörperhülsen aus der Raumfahrt in den Griff bekommen. Beobachtungen des Verfassers zufolge gab es bis vor wenigen Jahren in Wirtshäusern und Bierzelten männliche Hockvirtuosen, die – regungslos und ohne ihren Sitzplatz im Etablissement zu verlassen – entlang geschickt eingesetzter Spazierstöcke ihren Blaseninhalt relativ unauffällig an Böden mit entsprechender Saugfähigkeit abgaben. Solchen Leuten gleichgestellt soll nun auch der Raucher seine Nikotin-Notdurft nicht mehr am Biertisch verrichten dürfen. Delinquentenartig muss er in den Hof hinaus. Die Raucher werden sich wie Sträflinge auf Freiflächen zusammenrotten.
Der gute alte Misthaufen vor dem Haus oder die Toilette wird als Rauchopferstätte der Geächteten eine Renaissance erleben. Dort werden von nun an auch die großen Wirtshausthesen gedroschen und die Nichtraucher bekommen nichts mehr mit. Schade. Trotzdem sollte den Verurteilten „Des Joahr fangt scho guat o“ mindestens genauso entspannt über die Lippen kommen wie dem Räuber Kneißl. Im Gegensatz zu ihm werden sie ihren Hofgang nämlich überleben und wäre der Kneißl mehrmals hingerichtet worden, hätte er – natürlich auch nur angeblich – sagen können: „Ma gwöhnt sich dran“.



