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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Allein schon wegen dem, was verzapft wird, sollte es zur Regel werden, den Kommunalwahlkampf und die Fastnacht immer zur gleichen Zeit abzuhalten. So bliebe den Partei-Kappen nach der Wahl und ihrer Rückkehr aus dem parteistrategischen Konfettisack wenigstens die Möglichkeit, ihre Verlautbarungen als Büttenreden und die Gedankenblitze ihrer Listenfüllkandidaten als missglückte Faschingsgags abzutun, um sie dann wieder in der ursprünglichen Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen. Ungefähr so, wie wenn ein Spiralfeder-Kasperlkopf in seinen Scherzkarton retour gedrückt wird sobald sein Umfeld den Schreck verwunden hat und nicht einmal mehr darüber lachen kann.

Was dem Karneval sein Elferrat, das ist der Partei ihre Liste. Ein Elferrat besteht immer aus elf Narren und die muss man irgendwie zusammen bekommen. Die Parteien haben mit ihren Listen dasselbe Problem: Sie müssen vor der Wahl eine vorgeschriebene Stückzahl von Kapazitäten auftreiben. Die Liste muss auf Biegen und Brechen voll werden. Bettlägerige Greise, gerade 18 gewordene Neugeborene und bis dato völlig unauffällige Meinungslose sammeln sich brav in einem Apparat, der ihnen das Denken abnimmt.

In der Partei kennt man sich aus. Da weiß man, dass der wo drin ist, ein Freund und der wo draußen ist, ein Depp ist. Das Parteien- oder Freund-Depp-System wirkt bis ins kleinste Kaff hinein und sorgt für grandiose Figurenansammlungen, wobei jedes Partei-Panoptikum meint, gegen das andere etwas haben zu müssen. Wurscht worum’s geht: „Mir san dafür, dass mir dagegen san!“ Auf Flugblättern und ganzseitigen Zeitungsannoncen werden die Briefmarken-Portobeträge der Verwaltung, Hundesteuerschätzungen, Statistiken über Arbeitsscheue, öffentliche Toiletten und Feldgehölze aufgedröselt.

Mit solch daher gezimmerten Milchmädchenrechnungen bezichtigen die Partei-Ayatollahs die jeweils andere Seite, also die Deppen, dass sie solche sind. Um jeden Hühnerstall herum werden Parteigräben ausgehoben. Sogar fast ausgestorbene Dörfer lassen sich noch artig nach übergeordneten Partei-Hick-Hack-Vorbildern auseinander dividieren und vergeuden jede Menge Zeit wie Geld mit parteipolitischem Gegeifer, derweil das Dorf wie der sprichwörtliche Hund zu verrecken droht.

So hält man das flache Land flach. „Teile und herrsche!“ Wer mit sich selbst beschäftigt ist, kommt nicht auf die Idee, nach oben aufzubegehren. Karnevalistisches Resultat: 1. Gegen den Inhalt der Parteischlagworte auf den Wahlplakaten ist der Fastnachtsruf „Helau“ eine philosophische Abhandlung. 2. Wahlkundgebungen sind mehr Stunksitzung denn Prunksitzung, zielen aber wie eine „Brunftsitzung“ auf die Außerbetriebnahme des Gehirns. 3. Der Kampf der kommunalen Wahl ist ideal für `n Karneval.