oder Ansichichten eines Säufers
(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Als leidenschaftlicher Biertrinker bin ich begeistert. Meine Begeisterung beginnt immer mit dem ersten Seidel und wächst mit jedem weiteren. Wie weit man die Begeisterung steigern kann, ist eine Sache der persönlichen Volumenfreude. Die muss man sich erarbeiten und in dem Zusammenhang ist Arbeit für mich kein Fremdwort. In Sachen Aufnahmefähigkeit zieht mir beim Bier so schnell keiner davon. Ich setze mich schon lange genug in Schank- und Zapfstuben und mit denselben auseinander.
Also jedenfalls: Ich bin begeistert! Eine wachsende Begeisterungsfähigkeit ist im Zoiglbiermilieu der Bayerischen Oberpfalz, in dem ich mich vorwiegend bewege, auch mehr als angebracht. Gegen den goldrauschartigen Zoiglstuben-Tsunami, der jetzt durch die Oberpfalz schwappt, kann man nämlich mit einer handelsüblichen Otto-Normaltrinker-Leber nicht ansaufen. Da braucht’s schon eine gewisse, sozusagen „bierfasserprobte“, Ausgepichtheit. Hier sind tafelschwammige Eigenschaften gefragt.
Mit einer Konfirmantenbladern ist dem rasant wachsenden Zoiglschänken-Gestrüpp nicht mehr nachzukommen. Selbst passionierte Orientierungstrinker behelfen sich mit Frühverrentung oder unbezahltem Urlaub, damit sie das viele Neugezoigl alles abschnorcheln können. Also, wie gesagt, ich bin begeistert, wie viel Saufbares unter dem Namen Zoigl verzapft wird. Dem heiligen Gambrinus sei Dank, dass Zoigl eigentlich alles sein kann, was nach den Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft von allein aus einem Glas herauskommt. Was für ein Zeug im Zoigl drin ist und ob er in einer belgischen Brauerei, in einer krematoriumgrünen Hinterhofwaschküche oder in einer privaten Mörtelwanne aufgebrüht wird, ist mir doch wurscht! Ob die chinesische Mafia oder irgendwelche Schnellbiersieder unausgegorene Nacht- und Nebelflüssigkeiten von hinten in die Zoiglhütten pumpen, ist vollkommen uninteressant!
Es ist mir auch bierdeckelschnurzegal, ob jetzt ein Hautarzt oder eine Abortfrau nebenbei mein Bierglas auswischt oder sich an meiner Streichwurscht zu schaffen macht. Da pfeif ich drauf! Wo Zoigl draufsteht, ist für mich Kultur drin und damit basta! Also, wie gesagt, ich bin begeistert! Begeistert von der flächendeckenden Verzoigelung, begeistert vom oberpfälzischen Bierverstand und begeistert von unserer Zoiglkultur. Kurz: Ich bin überzeugt vom Zoigl, halt einfach „überzoigelt“. Prost!



