(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Die Nachricht, dass im Winter der Winter ausbleibt, löst - nachrichtenhysterisch gesehen – schon längst keine besonderen Umsätze mehr bei Weltuntergangszeitungen aus. Beiträge über den Winterschwund im Radio locken auch keine Laus mehr aus der Perücke und verhallen im Desinteresse der versotteten Gehörgänge nachrichtenüberschwemmter Zeitgenossen. Ebenso lassen sich im Fernsehen mit Klimaerwärmung, Tropenwinter, Ganzjahressommer, Entgletscherung, Alpeneinsturz, Sahara vor Altötting usw. keine Einschaltquoten mehr aufblasen.
Worüber nachrichtisiert man jetzt, wenn die herkömmlichen Katastrophen nicht mehr anschlagen? Es ist schon ein Kreuz mit der Nachrichterei. Jeden Tag soll etwas Neues geschehen, um – sensationell aufbereitet – dem lauernden Schwatzvolk in der nimmersatten News-Arena zum Fraß vorgeworfen zu werden. Die Kunst des Nachrichtenherrichtens liegt darin, Nachrichten so zuzurichten, dass sie hernach etwas anrichten, was nach Ausrichtung der Nachrichten in dieser Richtung nicht mehr zu berichtigen ist.
Der Winter zum Beispiel kam früher nachrichtenlos. Er ist einfach so heraufgezogen, hat herumgeschneit, Kälte verbreitet, Wasser glatt werden lassen und all das getan, was er naturgemäß schon seit Jahrhunderten in unseren Breiten halt so tut. Gerät ein herkömmlicher Winteraufzug vor seiner Ankunft allerdings in den Sensationskutter der Nachrichtenverwurstung, dann wird aus einem gewöhnlichen Schneegrieseln eine apokalyptisch-kontinentale Schneewalze.
Radiosender ab einer Stammhörerzahl von drei Personen überschlagen sich in viertelstündlichen Meldungen, in denen uns vor Begeisterung überlaufende Moderatoren das heran rollende Schneedesaster mit schwungvollem Endzeitvokabular ausmalen: „Die eisige Polarfront nähert sich unaufhaltsam von Norden her. Gerade erstickt der Brocken im Harz unter einer eins Komma fünf Zentimeter dicken Schneedecke. Die Einsatzfahrzeuge sind in pausenlosem Einsatz und räumen noch nicht betroffene Strecken vorsorglich bereits vor dem Eintreffen des ersten Schnees. Bundeswehr, Rotes Kreuz, THW und der Bund der katholischen Suppenanstalten sind in höchster Alarmbereitschaft. Es wird dringend empfohlen Vorräte im Haus anzulegen. Meiden sie Aufenthalte im Freien. Lassen sie ihr Fahrzeug stehen. Bleiben sie im Bett.
“ Ja – der Winter kommt nicht mehr – er bricht aus! Genauso wie Vogelgrippen, Rinderwahne, Volkskatharrseuchen, Wirtschaftskrisen usw. Der Winter ist eine Krankheit geworden. Vielleicht sogar eine Geisteskrankheit. Nehmen Sie sich in Acht!




