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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Das Brauverfahren ist eine komplizierte Brodelei, bei der am Ende Bier heraus kommen sollte. Noch mysteriöser als das eigentliche Herumgesudel von Menschenhand ist die anschließende Vergärung des Gebräus. Da wird das Zeug sich selbst überlassen und soll gefälligst von alleine zu einer genießbaren Flüssigkeit werden, die je nach Skrupellosigkeit der Verursacher unter der Bezeichnung Bier in Umlauf gebracht wird.

Das Schlimmste was passieren kann ist, dass die zur Beunruhigung zugesetzte Hefe im Gärkeller ihren Dienst verweigert, einen auf beleidigt macht und ruchbar werden lässt, dass es ihr stinkt. Das kann passieren, wenn beispielsweise im Gärraum bei der Überprüfung der Rattenfallen rein zufällig ein halbes Pfund offener Backsteinkäse aus der Hosentasche des Fallenstellers beim Brotzeitmachen auf der Gärbottichkante abgelegt und vergessen wurde, worauf der vereinsamte Romandur aus Langeweile ein intensives Eigenleben entwickelt. In so einem ranzigen Milieu (gemeint ist nicht der Braumeister) beschließt - im Einvernehmen mit der Hefe - das angehende Bier keines zu werden. Die Brühe kippt sozusagen. Sie muss weggekippt werden, bevor sie jemand hinunterkippt und dadurch umkippt bzw. umkommt. Das ist in der Braukunst der größte anzunehmende Unfall, der Super-Brau-Gau. Selbst ein spurloses Verschwinden des Bierbrauers während des Brauvorgangs wird dagegen noch billigend hingenommen, sofern es die Qualität nicht beeinträchtigt, also die Rückstände des Brauers aus dem fertigen Bier später nicht heraus zu schmecken sind.

Die zweitgrößte Katastrophe ist die Bierpreiserhöhung. Die kann eintreten, wenn die Braugerste, wie dieser Tage, gerade mal läppische 90 Prozent teuerer wird. Ergänzend zur Ausbreitung der weltweiten Wüsten erfanden Politiker eine vorausschauende staatlich verordnete Flächenstilllegung. Die noch nicht zwangseingeschläferten Aktivitäten der Landwirtschaft fördern jetzt statt Braugerste lieber Rapsöl zutage, mit denen die Bierautos angetrieben werden, die die Designer-Freilandversuche á la Becks, Carlsberg und Konsorten vom hohen Norden in Richtung Alpen kutschieren. Großflächig angelegter Werbeklamauk von der Penetranz einer Viehseuche bereitet die Invasion psychopathisch vor. Ist die Plempe dann nach endlosen Kilometern Geschaukel in Bayern eingetroffen, hoffen die „Interbrewer“ auf möglichst viele Dumpfbacken, die ihnen ihren Malz-Bluna-Bacardi-Bierssirup abkaufen und über die eigenen Eingeweide entsorgen.

Die letzte bayerische Gerste ist saudummerweise als Heizgetreide unter der Sudpfanne verschürt worden. Jetzt ist guter Rat und Braugerste teuer. Vom Feld kommt bloß mehr Rapsöl. Das nützt im Brauverfahren bestenfalls soviel wie Backsteinkäse. „Treibstoff statt Nahrung!“ heißt die Zauberformel der Gegenwart und so verkümmert unser Brauverfahren zum Verfahren, denn unser Rapsöl-Horizont reicht bloß mehr zum - Gebräu verfahren.