StartseiteDie MusikantenNachrichtenAuszeichnungenReferenzenAuftritteBilderKostprobenKolumneBücherGästebuch

Kolumne:

Vinzenz Festlmeier

Schwarz-Rot-Gold-Rausch

Der Google-Tipp

Kulturtipps - Best of

Fastnachtsprediger

Römerlatein

Rehlein-Infanterie

Zoigl-Boutique Weiblmeier

Papa Staat

Steuer-frei

Mehrweg-Einweg-Irrweg

Regionale Wirtshaus...

Im Schatten der Yacht

Flurstück-Touristik Opf

Maisfeld

Starkbierfestfasten

Hint' höher wie vorn

Bewerbung nach Oberbayern

Müllionen, Mülliarden

Kolumnen 2008

Kolumnen 2007

Kolumnen vor 2007

Kolumnen 2007:

Umfrage-Sagen

Windbruch

Winteraustreiben

Rauchfleisch

Kinderkippe

Fit fürs Fett

Das Pest-Roserl

Glasfieber

Brauverfahren

Kir Wa

Der Hirscht

Niederostpfalzbayern

Budenzauber

Allgemein:

Startseite

Sitemap

Kontakt

Impressum

Weitersagen

Pressebereich

(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Ob die Überflutung des letzten Quartals eines Jahres mit Christkindlmärkten vom Klimawandel herrührt, ist eine unbewiesene Spekulation oder weihnachtlich ausgedrückt ein reiner Spekulatius. Jedenfalls ist in den letzten Jahren bereits in Ortschaften ab drei Einwohnern aufwärts ein beängstigender Anstieg von adventösen Glühweinaufläufen zu beobachten.

Mit Halloween, dem Nationalfeiertag der Geisterbahnbetreiber, beginnen sich Frauenbünde und Krippen schnitzende Reservistenkameradschaften gegenseitig mit dem Tannenzweigfieber zu infizieren und epidemieartig hochzuschaukeln. Da nach Allerseelen die Laternen von Nachbargräbern entbehrlich werden, verstärken sich ab dem dritten November weihnachtlich beleuchtete Lebkucheneinhausungen um die Zentren menschlicher Siedlungen herum.

Meistens geraten Rathaus oder Kirche ins Fadenkreuz der Punsch- und Stollendealer und werden von überdachten Ulmer-Brot-Kanonen, Sauerkrautunterständen und Klingeling-Buden wie von einer Dixi-Armada belagert.

Einöden mit eigenem Christkindlmarkt rücken mangels Zentrum den Dorfweiher, das Milchbankl, die Streugutkiste oder den kommunalen Unterflurhydranten in die Mitte des weihnachtlichen Geschehens. Sofern sich nicht wasserdichte Blechbläser live der Gefahr des Ertrinkens durch den November-Monsunregen aussetzen, nimmt eine CD von André Adieu mit der Herbstweise „Leise rieselt der Schnee“ den Markt akustisch unter Dauerbeschuss und dem Wasser zumindest psychologisch die Unverfrorenheit, nicht als Schnee herunter zu kommen.

Eine richtige Christkindl-Mobilmachung bombardiert alle Nervenbahnen der Sinne ihrer Opfer. Also nicht nur musikalisch über das schmalztriefende Trommelfell und mit kriechender Kälte über die nass geregnete Rückenhaut, sondern auch über den Nasenschleim und dessen Haut sprich die Nasenschleimhaut, denn ein echter Markt riecht – und zwar nach allem möglichen.

Brühpech, Bienenwachs, versengte Nikolausbärte, betagtes Frittierfett, Warzentinktur, Waffenöl, überhitzte Mandeln, mit Ketchup gelöschte Schaschliks, flambierte Bratwürste, siedende Glühweinwannen, Modelleisenbahnleim, keimtötende Räucherstäbchen, Fichtennadel-Klosettsteine und tief gefrorene Gänsetorsos melden über den Geruchsnerv dem Hirn, dass es Weihnachten und Zeit für die Erlösung wird.

Die Ausdünstungen der den Hafermastgänsen beigepackten Innereien sind weitaus anregender als die der vorbei geschobenen Besucher, wobei dem atemberaubenden Gasgemisch eines Christkindlmarktes insgesamt eine gewisse schleimlösende Wirkung nicht abgesprochen werden kann. So manchen hat eine Magen-Darm-Überreizung durch frühzeitig zuschlagende Weihnachtssenfbuden schon von Verkrustungen im Verdauungstrakt befreit. Somit haftet dem ganzen Weihnachtsmarkttreiben also ein reinigender Zauber an und das wird er vermutlich sein - der Budenzauber.