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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Das Mittelalter war eine lustige Zeit. Wie romantisch es da zuging, zeigt jedes Dorf, das etwas auf sich hält, in einem ritterlichen Heimatstück. Glücklich schätze sich jeder Weiler, der noch über feuchte Fundamentreste irgendeiner Rittertoilette verfügt.

Es gilt, die den Atem der Jahrhunderte verströmende Stätte schnellstens aus dem Humus der adeligen Hinterlassenschaften heraus zu graben. Ein paar geübte Maurer reanimieren den ammoniakverseuchten Mauerstumpf und mörteln mit historischem Hussitenzement nach einer Rezeptur von Kaiser Karl IV. noch ein paar ausgegrabene Feldsteine um das ehemalige Granitplumpsklosett herum. Siehe da, schon wächst sich die ursprünglich nur vermutete, überdachte Feldlatrine zu einer kaiserlichen Trutzburg aus.

Die freie Grundrissinterpretation der „Freimaurer“ hat durch die fantasievolle Erweiterung des mittelalterlichen Hausecks eine vorher unbedeutende, dünn besiedelte Weggabel zu einer strategisch wichtigen Befestigungsanlage werden lassen, die den epochalen Wandel des ganzen Kontinents maßgeblich mit beeinflusst haben dürfte.

Das beflügelt wiederum die Vorstellungskraft rasch gebildeter Arbeitskreise zur Wiederbelebung des Mittelalters mit so pfiffigen Namen wie „Typhus, Pest und Cholera“ oder „Hexen, Henker, Weiberschänder“. Der Gemeinderat nimmt einen Kredit auf und lässt sich von einem, der sich dazu berufen fühlt, einen herrlichen Ritter- und Jungfernschwank her schreiben, der sich genau so in der zur heiß umkämpften Burg hochstilisierten Rosstränke zugetragen haben könnte. Heraus kommt eine atemberaubende Ritter-Saga und überall im Land blühen dann so historisch wertvolle Dramen wie zum Beispiel das „Pest-Roserl“: Eine malerische Enthauptung eröffnet das Spektakel und geht nahtlos in ein umjubeltes Erstechen der Umstehenden durch angeheiterte Landsknechte über.

Unter zwölf frisch Erhängten findet im zweiten Bild ein fröhliches Gefangenen-Erschlagen mit drei Toten und anschließendem Ritterpicknick im Burghof statt. Daraufhin erscheint nach Einbruch der Dunkelheit die heilige Inquisition, nimmt einer frisch geduschten Hexe die Beichte ab und verbrennt die Schöne auf dem Scheiterhaufen.

Schließlich kommt das „Pest-Roserl“ und krepiert unter dem Beifall des Publikums an der Beulenpest, die sich daraufhin im ganzen Land verbreitet und dem Schauspiel durch den Tod aller Beteiligten ein Ende setzt. Die Zugabe besteht aus der Wiederholung ab der Szene mit dem großartigen Eingehen vom pestverbeulten Roserl.

Nach der Vorstellung labt sich das Publikum an einem extra umetikettierten Schnaps der Marke „Ritterpest“ und an einer original „Pest-Roserl-Zuckerwatte“. Gott sei Dank lässt ein gewisser Zeitabstand die Problemchen der Vorfahren mit der richtigen Einstellung recht unterhaltsam erscheinen. Na ja, dann wird über unsere „gute alte Zeit“ wohl auch jemand mal ein „Roserl“ schreiben, vielleicht – das „Aids-Roserl“.