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Der Hirscht

(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Warum der Herbst mancherorts Hirscht heißt, kann nur spekulativ beantwortet werden. Es wird wohl mit dem Hirschen zu tun haben. Dass Männer sich im Herbst des Lebens zu kapitalen Hirschen auswachsen, muss ja unter dem zunehmenden Druck aufmüpfiger Weibsphantasien - scheinheilig Gleichberechtigung genannt – sogar von führenden Hirschen heutzutage zugegeben werden. Dass die Frau sich in Anlehnung an ihren Hirschen zur Hirschkuh entwickelt, wird zwar von allen weiblichen Organen, wie „Frau von heute“, „Emma“, „Echo in Grau“ usw., vehement verneint und doch sind derartige Verwachsungen, weil schon beobachtet, nicht auszuschließen.

Das vor sich hin reifende Mannsbild glaubt nicht an den Hirschen in sich. Vielmehr demonstriert der Mann seinen Hirschen unbewusst, indem er ihn heraus hängen lässt. Der menschliche Hirsch hat kein Geweih – wenigstens kein sichtbares. Er trägt sein Gestänge verdeckt und wirft es, im Gegensatz zum Hirschen in freier Wildbahn, niemals ab, denn es ist kein Hirschgeweih sondern ein Hirngeweih. Das Hirngeweih ist das Härteste, was die Schöpfung zu bieten hat. Dagegen sind Stahlbeton und Solitärstein der reinste Resi-Schmelz. Das Hirngeweih, bei dem Teile des Gehirns zu Geweih werden, ist das eingewachsene Denken des alten Hirschens.

Welch großer Hirsch einer ist, zeigt sich dann an wunderlichen Verhaltensweisen. Ein Beispiel: Zu nachtschlafender Zeit verlässt er mehrmals die eheliche Lagerstatt. Angeblich zum Wasserlassen. Dabei will er nur den früher hoch willkommenen nächtlichen Übergriffen der Ehefrau zuvorkommen und den Cool down der Gemahlin außer Reichweite abwarten. Je mehr sich die Nachtgeschäfte außerhalb des Schlafes auf die Blasenpflege beschränken, desto mehr verharkt er sich mit dem Geweih im Tagesgeschäft. Der alte Hirsch will partout nicht vom Acker und sieht unter der Last seines Knochenhaufens nur mehr den eigenen Bauchnabel, den er vermeintlich für den des Universums hält. Hat sich ein Hirsch mit diesem Horizont einmal so in sein Geweih verstiegen, dann wittert er außerhalb der eigenen Ausdünstungen nichts mehr und spannt auch nicht, wenn er zum Abschuss freigegeben wird.

Die größten Chancen, ein großer Hirsch zu werden, bietet die Politik. Doch da pfeifen die Kugeln und der Herbstwind schneller als der Hirsch denkt und schon ist der Hirsch im Hirscht angelangt. Statt einer glamourösen Götterdämmerung zieht eine politische Hirschendämmerung herauf und der alte Hirsch muss verschwinden. Fragt sich nur was für Hirschen nachkommen.