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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Fett begegnet einem täglich. Je zivilisierter eine Gesellschaft desto dicker kommt das Fett daher. Fett (fast ist man versucht zu sagen, dieses „Saufett!“) ist so raffiniert, dass es je nach Raffiniertheit im industriellen Ernährungsbrei nicht einmal mehr gesehen werden kann. Sogar im unsichtbaren Zustand löst dieses schmierige Luder eine ungeheuere Anziehungskraft auf seine fetthörige Kundschaft aus. Von fetthörig bis gehörig fett ist es nicht mehr weit.

Für schnelles Fettwerden sorgen die weltweiten Fettketten, die aus Verschleierungsgründen ihre Leberzersetzungsgranaten mit staatlicher Genehmigung Nahrungsmittel nennen dürfen. Die Kunst der Fettwirtschaft besteht darin, Fett so zu verwandeln, dass man es pur essen kann, ohne dass einem schlecht wird. Die, die das ohne Skrupel tun, nennen ihre zur Weltreligion hochstilisierten Machenschaften Fast Food. Das heißt auf Deutsch so viel wie „Schnelles Essen“, klingt so ähnlich wie „Schneller Brüter“ und dürfte von der Harmlosigkeit her an Tschernobyl heranreichen.

Wenn Fett gegen Geld regelmäßig fett abfließt, kommt im Gegenzug die fette Kohle gelaufen. Die heiligste Kuh im Katechismus des schnellen Fressens ist der Umsatz und das Credo, dass der immer schneller und permanent wachsen muss.

Die jährliche Rendite – das einzige, was profitbesoffene Aktionäre noch von ihrem Geschäft verstehen – verlangt demgemäß einen stets anschwellenden fettigen Ausfluss aus den Volksverfettungs-Filialen. Hier hat sich die Nachzucht junger Fettsäcke bewährt. Kindergeburtstagspartys, Spielzeug im Hackfleisch, Ketchup-Clowns und die Majo-Rutschbahn ins erste Fettvergnügen legen in den Kinderchen geschickt die Grundlagen zur späteren Fettsucht und sichern den Umsatz.

Konsequenz: Das Volk schwillt. Nicht insgesamt sondern die einzelnen Bürger werden zu rollenden Fettkugeln. Auch die Politiker, unter deren Augen so genannte Lebensmittelkonzerne (treffender wäre wohl: Todesmittelkonzerne) pfundweise den Zucker und ihr Fettgeschwartel in ihren Fertigpampen verstecken und die essbaren Zeitbomben unverfroren wie ungestraft noch als gesund anpreisen. Unsichtbar gemachte Fettschwarten in den Mahlzeiten gerinnen nach dem Verzehr in den Fettlagerstätten des Menschen und kehren zu ihrer Schwartenform zurück. So eine geronnene Schwarte im Gesäß lässt sich auch mit XXXL nur bedingt verbergen.

Der einzige Einfall der Politik erschöpft sich in einem Aufruf an die Opfer: „Fit statt fett! Liebe Fünfjährige! Glaubt der Werbung nicht und esst Gemüse!“ Das wird helfen wie ein Hamburger gegen Fettleber. Die Werbung der Fraßlobby läuft derweilen ungestört weiter und macht uns fit fürs Fett!