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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

„Glas ist – außer bei Erblindung – eine durchsichtige Erfindung.“

Wer schon mal versucht hat, einen Raum durch eine saubere Glastür zu betreten, ohne diese – mangels Wahrnehmung – zu öffnen, der weiß, dass Glas in erster Linie durchsichtig aber nicht „durchgängig“ ist. Schon die abrupte und unvorhergesehene, erste Materialberührung über Nasenbein, Brust oder Bauch (je nachdem, was am weitesten aus dem Körper heraussteht) untermauert physikalisch-schmerzhaft die glasklare Tatsache: Man kann zwar durchsehen aber nicht durchgehen. Daraus folgt, dass eine Glaswand in erster Linie dazu da ist, etwas sehen aber nicht erreichen zu lassen. Voyeure, Spanner und Neidgeiferer werden vor Glas am schärfsten, wenn dahinter etwas ist, was sie selbst nicht haben.

Die genialste Hinterglaserfindung ist die Bildröhre. Mit glasigen Augen sitzt der Mensch vorm Bildschirm und blickt bis unter den noch gesäßwarmen Abortdeckel des reichen Jetset. Privatsender und Filmchenanbieter, die wie Futtermais aus der Gülle schießen, projizieren ihre Hinterglasmalereien á la Big Brother in die gutgläubige Glotzgemeinde. Neidgrün verlangt die eingeseifte Seifenopernschicht nach immer mehr gläsernen Einsichten.

Im Rausch der allgemeinen Transparenzgeilheit bläst Melkvater Staat zur finanziellen Röntgenreihenuntersuchung seiner Bürger. Das neidgepeitschte Volk fordert seinerseits den schonungslosen Einkommens-Strip von allem und jeden, der mehr verdienen könnte als ihm vergönnt wird und vergönnt wird einem Anderen grundsätzlich nichts. Was wir brauchen ist mehr Volksverglasung, höchstmögliche Transparenz: Gläserne Geldbeutel, gläserne Abgeordnete, gläserne Bürger, gläserne Unternehmer, gläserne Bankkonten, gläserne BHs, gläserne Schädeldecken, eine gläserne Haut usw. Jeder, der sich dem Verdacht des Fleißes gepaart mit stets unter Argwohn beobachtetem Geldverdienen aussetzt, muss in die Pranger-Glasglocke.

Wo kämen wir da hin, wenn diesen verdammten Leistungsträgern der Nation von ihrem Einkommen auch noch was übrig bleibt, was der Neid-Guillotine der Fernsehcouchgurken entgehen könnte. Also: Hosen runter und ins Schaufenster. Treibt diese ewigen Mehrhaber mit ihrem volksschädlichen Leistungsdenken in die Neidarena! Das Manegenvolk giert nach Glaskäfigen, nach Transparenz und transpiriert nicht gern bei der Arbeit sondern lieber im - Glasfieber.