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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Kir Wa ist die rustikale Variante eines bekannten Schickeria-Aufstoß-Säftchens aus dem Bussi-Bussi-Milieu, also der Kir Royal für die Landbevölkerung. Je flacher die Provinz umso flacher wird der Kir Wa und schreibt sich schließlich Kirwa. Während „Kir Wa“ sich wie „Kir Royal“ noch nach einem alkoholischen Mischgetränk anhört, ist die Kirwa unterm Strich ein großkalibriger Landrausch. Der Begriff Kirwa ist so zum Markenzeichen für ein ländliches Generalbesäufnis aufgestiegen.

Die Kirwa geht reihum und je nachdem wie es gelingt, die Bevölkerung der jeweiligen Ortschaft in die Kirwa-Hysterie hinein zu jagen, desto gewaltiger sind die Bier- und Schnapsaufbauten und die Schweinebratenbottiche, mit denen die hoffentlich zahlreichen Opfer erwartet und bis zur Unkenntlichkeit im Kirwa-Delirium zugerichtet werden. Zur Kirwa gehört nun mal ein richtiger Kirwa-Fetzen, wobei der Fetzen hier im Sinne von „angehende Alkoholvergiftung“ verstanden werden will.

Nicht nur vor den Fetzen wird das Wörtchen Kirwa gespannt, nein es ziert zur Kirwazeit auch jede Menge Begriffe des täglichen Lebens und soll anzeigen, dass das Zeug, das einem sowieso das ganze Jahr über unter den Komsumrüssel gerieben wird, jetzt etwas Besonderes ist. Bäcker schildern ihren ganzjährig gelagerten Schmierkuchen unter lächerlich geringen Preisaufschlägen als Kirwakuchen aus. Die Wirtshäuser „verkirwan“ ihre Speisekarten und kommen auf so einfallsreiche Neuerfindungen wie Kirwa-Suppn und Kirwa-Schnitzel.

Komplizierter veranlagte Gastwirte versteigen sich dagegen zum Beispiel in einen Kirwa-Schmarrn dé Semmél, in schlachtfrisches Kirwa-Gschling, Kirwa-Harry-Potter-Steaks, Austern á la Kirwá, Kirwa-Peking-Ente gekeult oder Kirwa-Scampi auf Kirwa-Kiwi. Bis auf den Namen Kirwa-Markt ist im Sortiment der fahrenden Buden alles beim Alten, also gibt es: Kirwa-Autopolitur, Kirwa-Modellmaschinenpistolen, Kirwa-Feinripp-Strings, Kirwa-Mausfallen, Kirwa-Harrys-Suppenpulver, Kirwa-Vietnamesensocken und so weiter - lauter romantisches, kirwa-typisches Kleinod, das die gute alte Kirwa halt so einzigartig macht.

Der Kirwa-Döner, ein türkischer Annäherungsversuch an das alte Europa, fand heuer allerdings wenig Anklang. Das Problem ist die Herkunft. Da stochert man im Trüben. Forscht man nach, verliert sich die Spur in dunklen Kanälen. Genau wie bei Kirwa. Da weiß auch keiner mehr, wo das herkommt. Was? Von „Kirchweih“ sagen Sie? Das glauben Sie doch selbst nicht!