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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Früher gab es in Bayern überhaupt keinen Osten. Der nächstgelegene Osten war der Nahe Osten, dahinter kam der Ferne Osten und noch weiter hinten kam dann wieder Bayern von hinten. Der Sonnenaufgang war früher immer in der Früh außerhalb Bayerns und früh wurde es in Bayern erst mittags mit dem Zwölfuhrläuten, das die Weißwurst nicht erleben durfte, da sie ja als Frühstück noch vor Tagesanbruch – der wegen dem fehlenden Osten in Bayern wie gesagt erst mittags war – verzehrt sein musste.

Jetzt bescherte der Zweite Weltkrieg den Bayern aber die russische Bescherung vor die nach Osten gewandte Holzschupfn. In seiner russischen Ungehobeltheit zimmerte der Russe gleich einen eisernen Vorhang direkt vors bayerische Hinterhaus und raubte den Bayern ihren Ostblick. Plötzlich lag der Anfang der Welt in Bayern und die Bayern schauten wie die ersten Menschen.

In ihrer Verzweiflung bastelten sie sich einen eigenen Osten zusammen und überschrieben das Gestell mit Ostbayern. Hier ging ab sofort die Sonne auf, in die sich die Südbayern mittags legten. Der Eiserne Vorhang hat sich auf die Jahre aber so praktisch erwiesen wie eine luft- und lichtundurchlässige Mistbeeteinfassung. Er rostete, fiel ein und über den Rosthaufen hinweg fällt Ostbayern ein bzw. auf, dass der Osten immer östlich von einem liegt. So gesehen ist man selber nie im Osten. Geht das geleimte Ostbayern nun aus dem Leim?

Die Niederbayern suhlen sich am liebsten in ihrem „Nieder“, das von Oberbayern herab gesehen eigentlich Unterbayern heißen müsste. Der Oberpfalz trieft dauernd das rheinisch verseuchte „Pfalz“ wie Katarrh in die Suppe. „Pfalz“ ist ein touristischer Rohrkrepierer, der seine Opfer an den Rhein schleudert.

Mit der Erkenntnis, dass Ostbayern einfallen könnte, ist den Regensburgern die Donaumonarchie wieder eingefallen. Zusammen mit ihren Abwässern erwägt die Stadt, sich geistig donauabwärts in Richtung Ungarn abzusetzen. Hinter dem Begriff „Regiopolraum“ verbirgt sich vermutlich sogar ein Zusammenschluss von Regensburg und Polen.

Wenn Bayern nun spannt, dass es im Grunde ostlos ist und es in Bayern, so wie früher, keinen Osten mehr gibt, dann wird die Oberpfalz bloß mehr dank ihrer Nähe zu den böhmischen Dörfern auffindbar bleiben. Völlig verdreht könnte man die Region Bayern-Böhmen nennen oder wesentlich schöner und einfacher: Niederostpfalzbayern.