(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Wenn der Wind einen Namen hat, kommt er beim Volk besser an. Um mit Winden Wind zu machen, vergibt die meteorologische Windmeldungsindustrie an jeden durchziehenden Wind bis hin zur heißen Luft einen Namen.
Der Vater des Gedankens dürfte hier der Darmwind gewesen sein. Der erreicht ebenfalls seinen höchsten Wirkungsgrad, wenn ihm eine großartige Ankündigung voraus geht und alle gespannt auf sein Eintreffen warten. Die oft hörbare und nicht selten den Geruchsnerv überlastende Äußerung einer aktiven Darmflora zeigt auch bei sparsamer Unterhaltung an, dass die im eigenen Wahrnehmungsbereich Befindlichen noch am Leben sind. Eine Art nonverbale Kommunikation, die in dafür aufgeschlossenen Kreisen je nach Intensität auch eine Antwort auf gleichem Niveau heraufbeschwören kann.
Für diese Art Verlautbarung arbeitender Eingeweide hat die menschliche Fantasie viele blumige Bezeichnungen hervorgebracht. Es kam aber noch niemand auf die Idee, jeder einzelnen Gasströmung einen weiblichen oder männlichen Vornamen zu geben. Erst talentierte Wettershowmaster kamen dahinter, dass ein getaufter Wind viel mehr Staub aufwirbelt und von sich reden macht.
Um nochmals in die Niederungen der Verdauung zurückzukehren: Mit derselben Propaganda könnte man auch einem gemeinen Leibwind zu bundesrepublikanischer Beachtung verhelfen. Eine leere, namenlose Windhose lockt doch keinen Wanst mehr hinter der Blaidstaischn hervor. Um heutzutage jemanden für einen Wind zu begeistern, muss die Bedrohung über einen Namen aufgebaut werden, wie zum Beispiel „Kyrill“, „Wibke“, „Antje-Katrin Kühnemann“ oder so was. Da steht einem die Gänsehaut ins Gesicht geschrieben. Da bekommt man den für Wind nötigen Schiss und man bleibt vor dem Fernseher sitzen wie das Fleischpflanzl vor der Magersüchtigen. So wird der Sturm zu einem Gemeinschaftserlebnis, zum „Volkssturm“ sozusagen.
Bricht aus den gärenden Innereien des Volkes dann noch der Sturm der Entrüstung heraus, dann haben wir ihn, den Windbruch auf allen Ebenen. Selbst knorrige, im Filz verwurzelte Traditionsschwarzfichten, mit unerheblichem Wurmbefall werden gnadenlos aus der Deckung und vom Volkswind in den Dreck geblasen.
Sogar in der bayerischen Staatskanzlei haut’s den weißblauen Maibaum aus der vermeintlich stabilen Verankerung. Vom Sturm getrieben wütet die Entwicklung nach dem Satz „Die Revolution frisst ihre Kinder.“ Ob die alten Randfichten zu früh zu Kleinholz gemacht wurden und wie schnell die Lücken wieder zufilzen, wird die Zukunft zeigen. Vorerst bleibt das windige Resultat: Windbruch.



