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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Neben der größten Maßkrugorgie der Welt dürfte das Münchner Oktoberfest auch das monetenschwerste Mare- und Sepplverkleidungsfestl der Erde sein. Gegen die Schickimicki-verseuchte Lederhosenarena mit ihren Rauschgolderfindungen in Sachen Dirndl und Busenunterfütterung ist der Karneval von Rio nur mehr der Aufmarsch eines Mädcheninternats in Schuluniformen.

Jeder, vom amerikanischen Playboy bis zum japanischen Walfettreisenden, schnürt seine Bachstelzenwaden in eine vom Designer vergewaltigte, Abortherzl-verschnörkelte Krachlederne. Das einer oberbayrischen Tracht grottenschlecht nachempfundene Bundhöschen erinnert mehr an Paulchen Panthers Almabtriebskombi. Ein rosaroter Gamsbart auf einem speigrünen Filzdeckel und ein neongelbes Edelweißhalstuch aus der Oktoberfestkitschfabrik machen den Wiesn-Homer-Simpson perfekt. Dazu trägt der pomadengefettete Festzeltaufreißer ein Trachtenhemd mit eingenähten Sackleinen, worauf man noch deutlich „BayWa“ oder „Nitrophoska blau - Anno Domini 1204“ lesen kann. Monströse Hirschhornknopfplatten bis zur Stärke und Größe eines Sulztellers betonen, an den sinnlosesten Stellen aufgeklatscht, dezent die rustikale Erscheinung des Bratwurst-Gigolos. Zum Dalmatiner-Haferlschuh sorgt der sexy herab gerollte Wadlstrumpf besonders bei Afrikanern, Grönländern und knackigen Surfbrettboys für atemberaubende Kontraste.

Verona Dingsbums, die mit bayerischem Brauchtum so viel zu tun hat wie Luis Trenker mit Jacques Cousteau, präsentiert auf dem Oktoberfest eine Dirndlkollektion. Narzissenbestickte Dekolleté-Pressen, strafrechtlich gesehen eine reine „Vortäuschung falscher Tatsachen“, machen die Wiesn zur Rotkäppchengala. Wenn man Hirschlederhosentürchen mit rot kariertem Vorhangstoff kreuzt, ergibt das affengeile Kleidchen. In die Schnürkorsage – eng wie eine Weißwursthaut – müssen sich selbst professionelle Model-Hungerhaken erst hinein fasten. Chef-Dornröschen Paris Hilton schwebt mit einem in Gold gewickelten Jodlerbalkon vor der Brust in München ein und verkündet die heilbringende Wirkung ihres Büchsenproseccos. Auch der Magier David Copperfield wird sich, wenn er kommt, in einen originellen Trachtenseppl verzaubern. Hoffentlich hat er neben seinen Tourneedaten den richtigen Zauberspruch auf den Lippen. Er wäre nicht der erste, der von sich selbst verzaubert im Sog des Hurra-Bayern-Strudels abdriftet in die Endstation der Münchner Oktoberfest-Geisterbahn: Vom Trachtensepp zum Trachtendepp.