(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Also: Von „Forever“ wird wohl jeder wissen, was das heißt. Lernt man doch schon im ersten BigMac-Kulturslang-Crashkurs im Kindergarten! Bei „g’sund“ bin ich mir nicht so sicher. Daher: „G’sund“ ist eine bayerische Dialektform von gesund. „Forever g’sund“ oder „ewige Gesundheit“ ist die neuentdeckte Zauberformel zur Sanierung unseres maroden Gesundheitssystems.
Nachdem in die Jahre gekommene Fitness-Päpste wegen verdrängter und deshalb unverhofft auftretender Alterserscheinungen eingestehen mussten, dass „forever young“ doch nicht geht, ist die „ewige Gesundheit“ nach Möglichkeit über den Tod hinaus zur neuen Volksreligion geworden.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, in Anbetracht der prekären finanziellen Lage unserer zahlreichen Krankenkassen schließe ich mich daher dem Ruf der Zeit an, indem ich Sie auffordere: Bleiben sie gesund! Wenn sich jeder daran halten würde, wäre unser Gesundheitswesen bald alle Sorgen los, wenn nicht sogar in seiner Existenz bedroht, weil überflüssig.
Ein paar nachempfundene Tipps aus der einschlägigen Gesundheitsapostelszene können uns helfen, „forever g’sund“ zu erreichen:
1. Meiden Sie alles was das Leben angenehm oder abwechslungsreich zu machen droht, zum Beispiel: Blut- und Leberwürste, saure Drops, Rotlichtkneipen, Schweinefett, heiße Fußbäder, Freiwilligeneinsätze in Krisengebieten, Erdnußflips, Schnapsorgien, Drachenfliegen, enge Strumpfhosen, Rumkugeln, Nikotin (auch unverzollt) und Vorsicht: Auch „Gesundheits!“-kuchen.
2. Steigern Sie durch ganzjähriges Lauftraining im Gebetsstundenrhythmus ohne Rücksicht auf Schneeverwehungen und Hochwasser Ihre Kondition bis Sie in der Lage sind, kleine bis mittlere Kontinentalreisen zu Fuß zu bewältigen.
3. Nehmen Sie nur linksgewickelten Schmalspurjoghurt, Vollkornbrot maximal in Löschpapierstärke und von der Sportindustrie zugelassene, extra wässrige High-Energy-Mineraldrinks zu sich.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, diese leicht zu befolgenden Ratschläge garantieren Ihnen „forever g’sund“ – außer das Schicksal, das wir bis jetzt noch nicht im Griff haben, will es anders. „Wie es dir aufgesetzet ist“ nennt’s der Boanlkramer in der schönen bayerischen G’schicht’ vom „Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“. Demzufolge gibt es also tatsächlich noch etwas im Leben, wofür wir selbst nichts können – das Schicksal. Seit Adams legendärem Apfelfraß im Paradies gehört beispielsweise die Krankheit irgendwie zu uns. Trotz aller „forever g’sund“-Verrenkungen. „Ewige Gesundheit“ statt „Ewiges Leben“? Ich weiß es auch nicht. „Wie es uns aufgesetzet ist.“




