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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Nachdem vom Rinderwahn bloß mehr der Wahn übrig geblieben ist, übertrug sich der Wahn mangels Rindvieh über den Menschen auf den Vogel. Heraus gekommen ist der Vogelwahn. Weil aber der Wahn seit dem Rinderwahn nachrichtentechnisch ausgelutscht ist wie ein altes Kuheuter, endet der Vogel nicht im Wahn sondern in der Grippe und zwar inder Vogelgrippe. Die Vogelgrippe kann jeden Vogel genauso treffen wie der Wahn einen jeden, der einen Vogel hat. Der Wahn lebt von der Vorstellung, deshalb heißt es auch Wahnvorstellung. Wie sich beim Rindvieh gezeigt hat, ist der Wahn ohne Vorstellung für den Menschen harmlos. Die ganzen hysterischen Rindviecher aus den Zeiten, als der Rinderwahn in höchster Nachrichtenblüte stand, sind vollständig von der Bildfläche verschwunden. Eine BSE-Meldung bringt heute höchstens noch das Gesäß der betroffenen Kuh zum Zittern. Allen anderen geht sie an demselben vorbei.

Und warum? Weil wahnsinnige Rinderwahnschlagzeilen in den damit Erschlagenen die Wahnvorstellung auch gleich mit erschlagen haben. So – und ohne Vorstellung verkommt der größte Wahn zum Witz, zum Wahnwitz. Doch schon Albert Einstein sagte: „Phantasie ist wichtiger als Wissen“. Verbindet man das als eifriges Nachrichtenopfer mit dem geflügelten Wort „...mein lieber Schwan!“, dann ist man ständig in einer Situation, wo einem irgendetwas schwant, meistens Unheil. „Mir schwant Fürchterliches!“ Ein grandioser deutscher Satz, der wie immer das Schlimmste befürchten lässt. Was passt da besser ins Bild als ein verendeter oder standrechtlich erschossener Schwan?

Soldaten mit Gasmasken und Stahlhelmen gegen herab fallende Vogelkacke umzingeln einen verdächtigen Krähenfuß. Nicht auszudenken, was passiert, wenn Bürger, die in Legebatterien übernachten, ohne Seuchen-Säure-Sprühbad öffentliche Toiletten aufsuchten. Gassenhauer wie „Kommt ein Vogerl geflogen“ und „Alle meine Entchen“ werden wegen Ansteckungsgefahr im Radio verboten. Gaststätten mit Namen wie „Zum weißen Schwan“ haben mangels Besucher Umsatzeinbußen hinzunehmen. Deutsche Sch ispringer halten sich bei Olympiadenauffallend zurück.

Die Wahrscheinlichkeit, an Vogelgrippe zu erkranken, ist bei weiten Luftsprüngen um ein Vielfaches höher. Fastenaufruf der deutschen Bischöfe: Verzichten Sie auf gebratene Störche, Meisenknödel, Spatzen, Vogelbeerschnaps und – lassen Sie nirgends den Schwan drüber! Bis in ein paar Wochen, denn dann ist der Schwammdrüber.

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