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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Das an Ostern so gut wie nie aufgeführte Weihnachtsoratorium vom alten Kirchenorgler Bach beginnt mit den Worten „Jauchzet, frohlocket...“.

Im Einklang mit dem Klingeln der Kassen an den Tankstellen klingt der Weihnachtsbach heute wie eine Mineralölhändlerfanfare. Bachs Weihnachtseinleitung „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage...“ lautet im Ölschiebermilieu: „Jauchzet, frohlocket, den Preis rauf die Tage!“ Dieser Satz hängt nicht nur in Öl gemalt in den Köpfen der Ölpreisdiktatoren. Nein – „den Preis rauf die Tage“ steht auch schon fett vorgedruckt und übers ganze Jahr verteilt im Familienkalender der öligen Verwandtschaft.

Abgesprochener Nebeneffekt: Das Geschäft läuft wie geschmiert! Nicht nur an Weihnachten. Auch an Silvester, Fasching, Ostern, Pfingsten, in den Sommerferien, am Tag der Deutschen Dummheit, an Allerheiligen und an saublöd fallenden Feiertagen, die unglücklicherweise ein Wochenende verlängern und somit verteuern. Immer dann macht der Treibstoff in Sachen Preisauftrieb seinem Namen alle Ehre.

Vor Ostern unterstützt die Preiserhöhung die fastende Bevölkerung: Benzin statt Brot! Zu Pfingsten kommt der Heilige Geist - der Preise wegen ohne Öl – gefahren und erleuchtet die schmierige Ölwirtschaft beim Erfinden einleuchtender Literpreisargumente. Die lodernde Flammenzunge schlägt sich augenblicklich in der Goldgräbergrafik der Barrelpreise nieder. Fällt Mariae Himmelfahrt so, dass die Spritpreise himmelwärts fahren, dann wird einem klar, warum nach der christlichen Überlieferung Himmelfahrten ausnahmslos so eingerichtet sind, dass sie ohne Treibstoff auskommen.

Zu Beginn der Sommerferien stürzen Spannungen in einem arabischen Harem den „Verein erdölverknappender Länder“ in eine siedend heiße Krise, so dass man den Ungläubigen ein Verdunsten der Erdölvorräte verkünden lässt. Kurz vor Allerheiligen hat scharfer Hai-Urin die Säulen einer Ölplattform angefressen. Zeichnungen in den Zeitungen nehmen das Absaufen der Bohrinsel schon mal vorweg. Den Untergang drastisch vor Augen ist das Ölverbrauchervieh jetzt vorgekocht und im öligen Hinterstübchen wird das Haifischsüppchen gar ausgekocht: „Drei Cent mehr pro Liter, zeitversetzt aber im Einvernehmen und die können uns alle mal ans Bein pissen!“ Angenommen der Bach wäre in unseren Tagen gezeugt und als sechstes Kind nicht den Bach hinunter sondern zur Geburt zugelassen worden: Er brächte sein daher komponiertes Zeug sowieso bloß unter die Leute, wenn dabei stünde: „powered by ...Oil&Company“. Je nachdem an welchem Bach man sitzt, Bach ist zeitlos: „Jauchzet, frohlocket!“ oder „Tanket und blechet, vernebelt, verbrennet, verpestet, vergaset...“ Liter um Liter, Ostern um Ostern -weiter so und Gute Fahrt!