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oder „Der Schwager Hans“ – eine weihnachtliche Beinah-Tragödie Im Ofen liegt die Weihnachtsgans und davor liegt Schwager Hans, ganz in sich versunken, der Schwager ist betrunken. Es ist der erste Weihnachtstag und wer zu Mittag Gansfleisch mag vom verwandten Lager, hat sich angesagt beim Schwager. Das hat der Schwager unterdessen, indes er einschlief längst vergessen, stieß er doch beim Zubereiten der Gans auf ein paar Köstlichkeiten, wie Kräuterschnaps und solche Sachen, die alten Säufern Freude machen. Soll wegen ein paar Kümmerlingen nun die ganze Gans misslingen? Ein Aufguss täte dringend Not, doch der Schwager schläft wie tot. Gleich, in einer halben Stunde, kommt die Gänsetafelrunde. Wenn die Gans doch einen fahren ließe, damit er aus dem Schlaf hoch stieße! Der blöden Gans, tief braun gebrannt, jedoch ist’s wurscht und unbekannt, wem der Schwager sie serviert oder ob sie explodiert. Dabei hat alles so gut angefangen: Die Gans ist sofort mitgegangen, nachdem der Schwager kurz zuvor sie zum Schlachten auserkor. Die dumme Gans nahm doch glatt an, sie käme jetzt zum Gänsemann und merkte erst beim Messerstich: Das ist nicht der Gänserich! Sie starb an jenem Stich ins Hirn – jeder kann sich einmal irr’n. Man rupfte sie, die Gänsehaut blieb stachelig und aufgeraut, denn viele Kiele ums Verrecken saßen fest und blieben stecken. Die Lötlampe, aufs Vieh gerichtet, hat versengt und heiß vernichtet, was beim Rupfen mit der Hand an gelben Stoppeln widerstand. Noch ein Mal hat der Steiß gewackelt, und dann war sie abgefackelt. So kam die Gans um Kopf und Kragen, Leber, Niere, Milz und Magen, und um den letzten Federstumpf an ihrem kahlen Gänserumpf, inklusive Gansgeschling, das innen in der Gans drinhing. Den Sack mit der Organentnahme, die ausgehöhlte Gänsedame und dazu den Gänsekragen fuhr der Schwager heim im Wagen. Er fror fürs erste alles ein, denn er wollte sicher sein, dass die Gans auch ganz bestimmt tot ist und sich so benimmt. Gerissen aus der Tiefkühlgruft, bekam das Vieh erst wieder Luft und zur Sicherheit noch einen Schlag an Heiligabend Vormittag. Eingehüllt in eine Schürze schob der Schwager die Gewürze von unten in die nunmehr weiche aufgetaute Gänseleiche. Morgen muss sie fertig sein, von hinten drang er in sie ein und rieb ihr mittels seiner Hände Salz und Pfeffer in die Wände. Mit Beifuß innen ausgestrichen ist der Mief vom Darm gewichen und die Gans, die vorher roch, duftet jetzt aus jedem Loch. Der Schwager füllte sie mit Brei aus Semmeln, Ei und Innerei und hat – durch den Wolf gedreht – die Pampe in die Gans genäht. Zur gefüllten Leibeshöhlung gab er ihr die letzte Ölung, salbte sie mit sanftem Klaps mit Kräutern und mit Kräuterschnaps, den nur der Schwager zu sich nahm, weil die Gans ja nicht mehr zu sich kam. So wärmte er die Gans im Rohr und sich selber schon mal vor, schnitt Blaukraut und das Drumherum und stieg danach auf Obstler um, den er im Einwecktopf entdeckte, wo ihn die Frau vor ihm versteckte. Damit hat Schwager Hans die Nacht vorm vorgewärmten Rohr verbracht und jetzt geht’s schon aufs Mittagläuten, die Gans beginnt sich braun zu häuten. Die Verwandtschaft auf den Stufen scharrt vorm Haus schon mit den Hufen, das dringt an des Schwagers Ohr, der noch döst vorm heißen Rohr. Für die Gans – im Schritt genäht – wär’s im Moment noch nicht zu spät. Zwar hat sie schon geraume Zeit ein Defizit an Feuchtigkeit, doch Füllung und diverse Reste, die der Schwager in sie presste, können noch die Hitze lindern und die Explosion verhindern. Weil eine Gans mit Qualm vermischt als schwarzer Klumpen aufgetischt, bei Gästen, gleich wie abgebrüht, wenig Freude nach sich zieht, ist Schwager, der vornüber hing, trotz Obstler und trotz Kümmerling, bevor die Gans zum schwarzen Ding verkohlte und hinüber ging, Gott sei Dank, wenn auch benommen, zur rechten Zeit zu sich gekommen und hat mit einem Wasserschwall die Gans vor dem Zusammenfall gerettet und dann unerschüttert ans verwandte Volk verfüttert. Die Gans war völlig ungefährlich und so köstlich wie alljährlich, im wahrsten Sinne ofenfrisch und mundete am ganzen Tisch. Jeder war des Lobes voll: Niemandem gelingt so toll auf der Welt die Weihnachtsgans wie dem braven Schwager Hans. Ich gab ihm dann bevor ich ging wieder frischen Kümmerling und Obstler, den die Schwägerin verstecken wird im Wecktopf drin. Er versprach mir, ihn zu testen und aufs Jahr mit seinen Resten wieder eine Gans zu machen, in sich ruhend zu bewachen, so dass er auf den Glockenschlag, so wie man sein Gänschen mag, es aufs Sekündchen fertig bringt, was ihm nur mit Schnaps gelingt. Folglich bin ich indirekt der, der da dahinter steckt, dass des Schwagers Gans so schmeckt, füll’ ich ihm doch mit Schnaps das Lager, denn ich bin vom Hans der Schwager. |
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Diese Geschichte ist eine von vielen, die in dem Buch "Was ich so denk" abgedruckt sind.
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