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Was brauch ma denn an Bauernhof

(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)

Nichts ist so überflüssig wie ein Bauernhof. Überhaupt in Bayern, wo in jeder leeren Lederhose ein Laptop hängt. Damit kann man weltweit jede Online-Sau geruchsfrei aufspüren und dort aufkaufen, wo die kräftigste Hormonbrühe sie in Rekordzeit ins Kraut schießen lässt wie einen gedopten Radfahrer den Berg hinauf.

Die Maus auf dem ausgeklappten Hosenlatz berauscht sich der Bayer virtuell im Internet am immerwährenden Kartoffelglauben. Ist doch wurscht, wo die Pommes frites wachsen und ob sie in Endivien oder in Schlammbodscha gedroschen werden! Das Flugbenzin ist steuerfrei, dann wird das Zeug halt her geflogen und der Preis stimmt. Weltmarktniveau! Apropos Niveau: Das letzte Niveau der Menschheit ist das Preisniveau. Auf dieser Stufe angekommen, kann die Tonne Hausmüll schon mal mehr kosten als eine Tonne Nahrungsmittel. Transportwege bis zum Dreifachen des Erdumfangs spielen sowieso keine Rolle. Für das, was darüber hinausgeht, organisieren die Organisationen für organisierten Klimawandel zur Organisation des organisierten Ölabsatzes organisierte Treibstoffpreise. „Die dümmsten Bauern haben die größten Fischstäbchen“ oder so ähnlich.

Die Global Player (= Globusspieler) suchen sich deshalb weltweit die Dümmsten und schwartieren ihnen von der Klärschlammgurke bis zum Hormonkalbskopf alles so billig ab, dass über die Gewinnspanne sogar ein Abtransport über die hintere Mondhalbkugel zu finanzieren wäre. Das sorgt bei den weltweit „auf Weltmarktniveau“ herunter gehandelten Erzeugern zwar nicht für Gewinn aber wenigstens für eine sinnvolle Betätigung. Außerdem sollten die Vorschulkinder da drunten beschäftigt werden und zwar mit der Kniescheibe auf der Scholle, damit sie den Bezug zum Land nicht verlieren. Nicht dass sie auch noch anfangen wie die unsrigen und die Ochsen lila malen, wo doch jedes Rindvieh weiß, dass nicht der Ochse sondern die Kuh lila ist.

Wer weiß denn noch, wie Eier von glücklichen Kühen schmecken? Ha? Wer hat denn noch das Geräusch von euterwarmer Hühnermilch in der Nase oder den Geruch einer frisch gemähten Kartoffelwiese im Ohr? Niemand! Kein Wunder. Die bayerischen Kinder stochern übergewichtig im Mist des Internets herum statt im Kuhmist. Der notorisch umher streunende kindliche Mistfratz oder die legendäre „Rennsau“ von früher stirbt aus. Genau wie der Bauernhof. Nach der Statistik geben in Bayern täglich acht Bauern den Löffel bzw. die Mistgabel ab. Der Bayerische Bauernverband hat jetzt eine eigene Touristikabteilung aufgemacht, die ausrangierte Bauern mit Weltreisen beschäftigen soll. Mit dem Verschwinden der Bauernhöfe hat der Verband erkannt, dass er seine Aktivitäten auf die eines Wallfahrerbüros zurückschrauben muss. Übrig bleiben wird vom schönen bayerischen Liedl „Was braucht ma aufm Bauernhof?“ nur mehr das Gespür der Menschen für die Erde in Form der aufschlussreichen Antwort: „Nix!“