(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
„Von drauß‘ vom Walde komm‘ ich her;
all überall blinkt’s kreuz und quer!
Mir ist als hätt‘ ich einen sitzen,
seh‘ ich eu‘re Lichtlein blitzen.“
Würde Theodor Storm sein Weihnachts-gedicht heutzutage so beginnen? Nein – eher so: „Santa Claus is comin‘ to town with ketchup and turkey, he looks like a clown.“ Frei nach mir in’s Deutsche: „Der heilige Klaus kommt uns ins Haus mit Ketchup und Truthahn, wie ein Depp schaut er aus.“ (Vorausgesetzt ein zeitgenössischer „Songwriter“ Storm würde so arbeiten wie ein Heer deutscher Liedtexter: Miserablen deutschen Text in schlechtem Englisch singen in der Hoffnung, die Deutschen verstehen‘s nicht richtig und alle anderen hören sich’s erst gar nicht an.)
Also haben wir unseren deutschen Nikolaus ebenfalls prächtig verhunzt. In Leichtbauweise aus Tschechien importiert oder als hohles Baumarkt-Schnäppchen „made in Taiwan“ billig erstanden baumelt ein kugelrunder Glühweinonkel wie ein frisch Erhängter an der Hauswand unter dem blinkenden Toilettenfenster. Wird im WC gelüftet, verweht jeder warme Fallwind den federleichten Gummiklaus aus seiner Position wie den Fuchsschwanz an der Hosentasche des Opel-Manta-Fahrers. Um’s Fallrohr der Dachrinne nebenan gewickelt schießen Blitze wie von Leuchtspurmunition durch einen Lichterschlauch der Marke „Christmas vertikal“. Am geschnitzten Wild-schütz-Jennerwein-Balkongeländer hat ein in allen Farben blinkendes Rentier den Halloween-Kürbis ersetzt nach dem Motto: „Bayern macht die Lichter an, es kommt der Cola-Weihnachtsmann!“
Inmitten der Lichterketten-Orgie flackert vor einem Wirtshaus ein kleines bayrisches Laterndl. Nach einem nächtlichen Spaziergang durch den Konsumrausch-Lichterwahn eine Wohltat für Auge und Gemüt. Das Kerzlein brennt ruhig und bescheiden, verzehrt sich selbst, um Licht zu verbreiten: Vielleicht die Weihnachts-botschaft. Althergebracht doch gehaltvoll wie unser bayerischer Nikolaus. „Ars vivendi bavariae“ oder „American way of life“, „Bayerische Lebenskunst“ oder „Amerikanischer Lebensweg“? Schon die Ausdrucksweise verrät uns: Die bayerische Lebensart ist eine Kunst, die amerikanische ein Weg. Also hüten wir uns vor zuviel „Santa Claus“ und all dem Xmas-Umsatz-Schmarrn. Besinnen wir uns lieber ein bißchen mehr auf die guten Teile unserer Jahrhunderte alten bayerischen Kultur. Ich darf Ihnen mit einem geistig gemäßigten Zweizeiler von mir einen schönen Nikolaustag wünschen:
„Lieber guter Nikolaus, schick‘ uns Geist statt Strom in’s Haus.“



