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(Aus der Kolumne "Was ich so denk". Erschienen am 09.01.2010 in den Tageszeitungen „Amberger Zeitung“, „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“ und „Der neue Tag“)

Rehe und Hirschen fressen Bäume. Der Mensch nicht. Dafür frisst der Mensch Rehe und Hirschen. Wenn nun der Mensch gleich Bäume fräße, könnten wir uns Rehe und Hirschen sparen. Dann wären auch die Jäger überflüssig.

Da nun aber Bäume inklusive Knospen, Triebe, Rinden usw. für den Menschen fresstechnisch erst interessant werden, wenn sie durch Wildviecher gegangen sind und sich in deren Fleisch verwandelt haben, gibt es nach wie vor diese Nahrungskette, in der auch das Glied des Jägers seine Hand im Spiel hat.

Jäger sind talentlose Leute. So ist ihnen hierzulande beispielsweise das Talent der lautlosen Jagd mit Pfeil und Bogen vollkommen abhanden gekommen. Stattdessen benutzen sie donnernde Schießprügel, bei denen man jeden Schuss hört. Grässlich! Warum werden denn keine Schlingen, Schlagfallen oder Tellereisen mehr verwendet? Die waren schön! Da mussten sich unbeteiligte Passanten kein widerliches Krachen anhören, es sei denn, sie sind selber hinein gestiegen. Auch Fallgruben, Rehangeln oder Hirschenvergiften wären herrlich leise Jagdmethoden.

Aber der verkehrslärmgeplagte, Ruhe suchende Waldspaziergänger wird von Jägern rücksichtslos mit Schüssen belästigt. Kein Wunder: Es gibt sogar Abschussquoten, die den Schießlärm vorschreiben. Innerhalb einer bestimmten Zeit muss zum Beispiel eine festgelegte Zahl von Rehen erschossen werden. Diese Quote wird, was man so hört, jetzt auch den betroffenen Tieren mitgeteilt, die sich dadurch einsichtig zeigen.

Ohrenzeugen berichten von Rehen, die bis zu dreißig Schüsse über sich ergehen lassen, ohne sich vom Fleck zu rühren. Es handelt sich um so genanntes „aufgeklärtes“ Wild, also Wild, dem vorher erklärt worden ist, dass es sich bis Jahresende erschießen lassen muss. Das ist eine neue Variante des waidmännischen „Ansprechen“ des Wildes: Der Jäger spricht das Vieh einfach an und überredet es, so lange stehen zu bleiben, bis es getroffen wird. Dank dieser genialen Methode können Rehe und Hirschen nun einem stundenlangen Kugelhagel unterzogen werden.

Selbst aus mehreren Kilometern Entfernung hört der fantasiegeübte Laie heraus, dass hier ein und dasselbe Rehlein im Sekundentakt beschossen wird und mit jedem Kracher ein neues Loch bekommt. Es ist sogar schon gehört worden, dass betroffene Tiere am Ende ein einziges Loch waren. Das reduziert zwar den Kilopreis des verwertbaren Fleisches auf null, erleichtert aber die Aufräumarbeiten, wenn - wie besagte Ohrenzeugen ebenfalls berichteten – gleich mehrere hundert Hirschen, Rehe samt Gelege und Rehkitze auf einmal über den Haufen geschossen werden. Spätestens beim dritten Schuss sieht der akustische Beobachter vor seinem geistigen Auge: Da glühen Rohre und Rehe! Und das Gehörte reicht ihm, um abschließend festzustellen: „Die Jagd mit Pulver und Blei ist eine laute Sauerei!“ - Nieder mit der Rehlein-Infanterie! Schont das Wild – esst mehr Holz!