(Aus der Kolumne "Was ich so denk". Erschienen am 20.02.2010 in den Tageszeitungen „Amberger Zeitung“, „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“ und „Der neue Tag“)
Wenn es stimmt, dass alle Wege nach Rom führen, dann führt an Rom auch kein Weg vorbei. O je! Rom ist doch untergegangen, dann führen also alle Wege in den Untergang. Gut – alles Irdische geht irgendwann unter. Das alte Geraffel muss weg, weil die Erde ständig neues Zeug hervorbringt. Das ist nun mal so.
Nach welchem Plan das abläuft, weiß kein Mensch. Vermutlich nach gar keinem. Wenn doch, dann höchstens nach einem, der aus irdischer Sicht nicht als solcher erkennbar ist. Jedenfalls sind Tod und Untergang diesseitige Verfallserscheinungen, die sich täglich abspielen. Der Glaube daran ereilt den betreffenden Betroffenen allerdings erst, wenn es den Betroffenen betrifft. Deshalb sagt man auch „er muss dran glauben“. Vorher glaubt immer keiner an das, woran er hernach glauben muss.
Glaubt man den Überlieferungen, dann ist das den alten Römern auch so ergangen. Seit dem römischen Untergang gab und gibt es zu allen Zeiten Propheten, die ihre Zeit mit der Zeit Roms vor dem Untergang vergleichen. Der römischen Tradition folgend wird das von der Allgemeinheit natürlich nicht geglaubt. Daraus folgt: Der sicherste Untergang ist immer der, an den keiner glaubt! Wie gut, dass wir aus der Geschichte gelernt haben und heute wissen, was wir nicht glauben:
Die Allianz-Arena in München ist kein Amphitheater. Fußballer, Boxer, Stierkämpfer, Schlammcatcherinnen usw. sind keine Gladiatoren. Deutschland sucht den Superstar ist kein Circus Maximus. Dieter Bohlen ist kein Fäkalsprachen-Caesar, der seine armen Arenenschweine mit gesenktem Daumen ins Messer laufen lässt. Autorennen haben nichts mit römischen Wagenrennen zu tun. Der Staatshaushalt basiert nicht auf einem bodenlosen Fass abenteuerlicher Finanzspekulationen.
Das Staats- und Finanzsystem ist nicht korrupt. Parteien wie Volksvertreter im Parlament sind nicht käuflich. Es gibt keine zunehmende Unterschicht, die nicht nur zunimmt, sondern auch in Sachen Verblödung immer mehr Fett ansetzt. Liebesjungen bis hinein in höchste Bet- und Regierungskreise existieren nicht. Es gibt keine Leute, die auf Staatskosten nichts arbeiten wollen. Die Sklavenhaltung zu Hungerlöhnen ist abgeschafft. Es wird nicht über Jahre und ergebnislos debattiert und prozessiert. Der Staat vergibt keine Kredite an Staatsplünderer, um den Fortbestand der Staatsplünderung zu sichern. Nein! Alles spätrömisches Untergangsgesülze, das jeder Grundlage entbehrt! Völlig aus der Luft gegriffen! Wer glaubt denn so was!? Keiner! Jägerlatein. Seemannsgarn. Pah! - Römerlatein!



