(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen „Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)
Damit in der christlichen Fastenzeit vor dem Osterfest „der Hund nicht ganz verreckt“, sind geballte Starkbierfestorgien an den ohnehin viel zu wenigen Wochenendtagen im 40tägigen Dahindarben auf Ostern ein willkommener Überflutungsgrund für die ausgetrocknete Fastnachtsseele.
Der abrupt beerdigte Prinz Karneval schreit geradezu nach dem Defibrillator. Statt die Auferstehung abzuwarten, lässt er sich bei Starkbieranstichen schleichend reanimieren und verseucht die ursprünglich als Bußveranstaltung gedachten Zusammenkünfte mit fastnachtösen Bierbank-Verrenkungen und Mitklatsch-Polonaisen, die mit einer Fastenzeit soviel zu tun haben wie das Drehbuch des Films „Das große Fressen“ mit einer Betriebsanleitung für Hungerstreik.
Speisen- und getränketechnisch gesehen sind die Vorbereitungen dieser Fastenfeste der Proviantaufnahme eines Kreuzfahrtschiffes nicht unähnlich. Von behaarten Schweinsrüssel-Schlachtplatten mit mehrstöckiger Reiberdotsch-Einhausung über XXL-Kalbshaxe, Salvator-Pizza, Fastenkrapfen, Griebenschmalztorte, Kaffee und Magenwächtermaultaschen hinunter zu einfacheren Fastenspeisen wie warme Quarkbrezen im Blutwurstmantel bieten die Veranstalter ein dem Entbehrungsverhalten der Jahreszeit angemessenes Imbisskärtchen an.
Die gediegene Beschallung obliegt einer prositerprobten Blasmusikartillerie. Einschlagkräftiger ist natürlich eine Beachpartyband á la „Strullertaler Jungfernstürmer“ oder so was, die ihre Lautsprecher-Haubitzen gegen Eintritt auf die büßende Tinnitusgemeinde abfeuern. Erst an diesem akustischen Strafgericht lässt sich erkennen, dass die Fastenzeit dazu da ist, um zu büßen. Die Lederhosen-Erotiker fordern das Publikum auf, die Lampenschirme zu entern und beim Fasten-Song „Die Hände zum Himmel“ haben die auf den Schultern der Burschen sitzenden Mädchen ihren Höhepunkt, nämlich die Decke, erreicht.
Leider ist Bruder Galapagos mit seiner anstrengend verfassten Fastenpredigt sang- und klanglos untergegangen. Schuld war der Lärm aus der Bar und der ständige Sprechgesang „Morgen ham ma Schädlwäh“ aus den Kehlen „der lieben Fasterinnen und Faster“. Wenigstens der letzte philosophische Appell der Predigt traf dann aber doch den starkbiergeschwängerten Nerv des Publikums und gebar ein erlöstes Grunzen: Es leb’ die schöne Fastenzeit, ein Prosit der Gemütlichkeit!



