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(Aus der Kolumne "Was ich so denk" , für die Oberpfälzer Tageszeitungen Der neue Tag“," Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“)


Die Bundestagswahl mitten in das Münchner Oktoberfest hinein zu terminieren, ist kein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Es ist im Gegenteil ein legaler Vorteil für alle Beteiligten.

Wenn zeitgleich zum größten Volksfest der Welt eine Wahl stattfindet, können sich bei Bedarf alle Seiten auf verminderte Zurechnungsfähigkeit berufen. Alles was vorher irgendwie gesagt oder versprochen wurde, lässt sich nachher aus dem Schatten des Maßkruges heraus wieder in das Licht rücken, welches einem hernach aufgeht.

„Maß halten“ sagte schon Ludwig Erhard, ein ehemaliger deutscher Wirtschaftswunderminister und er hat entgegen anderslautenden Deutungen hier zweifellos die Oktoberfestmaß gemeint.

Gegen den Maßkrug ist die rosarote Brille ein Kobaltglas. Trotz der Verwendung des Maßkruges als Auseinandersetzungsgerät bei physischen Unstimmigkeiten (was bei Maßkruggestreiften zu einer verdunkelten Wahrnehmung führen kann), wirkt das bajuwarische Trinkgefäß je nach Volumen des heraus gesoffenen Inhalts äußerst stimmungsaufhellend. Maßkrugtrinker sehen die Welt mit rosaroten Augen.

Es sind überwiegend Optimisten ohne Motiv; gutgläubige, willige, herdenfähige Zeitgenossen, die selbst das, worauf es ankommt, nicht so bierernst nehmen. Sie haben erkannt: Was Parteien vor der Wahl so herauslassen, kann man nur mit Maßen in sich hineinlassen.

„Gleichtum für alle.“ – „Mehr Netto vom Brutto ins Aldi.“ – „Miese statt Krise“ – „Es wird nicht so teuer, wir senken die Steuer.“ - Na wer sagt’s denn. Mit dem Maßkrug in der Hand geht es aufwärts im Land! - Die kommenden Steuersenkungen vor Augen, kann man sich ruhig eine Maß mehr genehmigen und die Staatsverschuldung wirkt durch den Maßkrugboden gelesen auch nicht bedrohlicher als ein angestrichenes Bierfilzl.

1730 Milliarden oder so was - oder waren es Billionen? Ist ja wurscht. Das sollen die zahlen, die die Steuer nicht gesenkt bekommen. Unsereiner ist bei den Anständigen und die werden gesenkt besteuert. Ist doch schwarz auf weiß versprochen!

Da beißt die Maus eher ins Gras als in den seidenen Faden, an dem das alles hängt. Ob die nach der Wahl ein Fass aufmachen? Möglich, wenn nicht bestimmt – und es wird kein Freibierfass sein. Egal wer anzapft, sie werden das große, leere Steuerfass anstechen müssen, bei dem am Ende herauskommt, dass da nichts heraus- sondern nur etwas hineinkommt. Hinterm Oktoberfest geht’s weiter. „Steuer frei!“ – „Ozapft is!“