Kulinarische Einsichten des Vinzenz Festlmeier
(Aus der Kolumne "Was ich so denk". Erschienen am 18.07.2010 in den Tageszeitungen „Amberger Zeitung“, „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“ und „Der neue Tag“)
Ich heiße Vinzenz Festlmeier und werde dem Festl vor meinem Meier gerecht, indem ich kein Festl auslasse. Dort wo ich daheim bin, gibt es nämlich im Sommer an jedem Hauseck ein Festl, das heißt wir haben im Sommer ebenso viele Hausecken wie Feste. Dazu haben wir mindestens genauso viele Vereine wie sommerliche Hausecken und Feste. Das Aufregendste an unseren Vereinen ist die Aufregung, mit der Leute jeder Herkunft im Verein aufregende Erfindungen machen, die man essen kann. Ich meine die vielen Schmankerln, da wo jeder seine Hand anlegt.
Das Bier finde ich nicht so aufregend, weil es immer aus derselben Brauerei kommt, was man gut daran erkennen kann, dass es immer gleich warm ist. Die selbst gezimmerten Mahlzeiten aber sind für mich kulinarische Höhenlichter. Ich komme an keinem brennenden Grill vorbei. Wo eine kalte Platte riecht, da gehen mir die Nasenflügel über und ich leiste mir eine. Der Einfallsreichtum, der dünstend und schmeckend aus unseren Vereinsvetterinen und –vettern heraus bricht, schreibt sich „Sie“!
Hier ein paar meiner persönlichen Imbiss-Juwelen: Der Fußpflegeverein hat aus langjähriger Erfahrung heraus eine Obatzn-Roulade mit Pilzbezug entwickelt. Unschlagbar auch die handgerupften Beifuß-Hartreis-Medaillons in Einbrennkässoße als Beilage. Der böhmische Zigeunerfleischwolfsalat nach einer Rezeptur des 1. Vorsitzenden der Ehemaligen Angehörigen des ABC-Spürtrupps ist eine Herausforderung für den biergewärmten Gaumen. Unser örtlicher Maschinenring/Sparte Unkrautvernichtung bringt sich seit Jahren mit vorzüglichen Huflattich-Muffins ein.
Am Stand der Sanitärputzfrauengemeinschaft e. V. esse ich immer die essigsaure Silberzwiebel-Fischtran-Bouillon mit den legendären Schuppen-Chips. Auch unsere kommunalen Bediensteten vom Klärwerk bis hin zur örtlichen Rattenbekämpfung greifen bei unseren Festen in die Speisenzubereitung ein. Sie haben sich auf angedunkeltes Grillfleisch unbekannter Herkunft in diversen Dehnbarkeitsstufen und einen mehrlagigen, erdfarbenen Schichtsalat spezialisiert.
Sein strenges Aroma überlagert allerdings den Geruch der Wollwürste der Damen der benachbarten Wursttheke der Strickvereinigung „Zur wollenen Liesel“. Keine Angst, die Damen sind nicht so trocken, wie sie sich anhören. Mein Tipp: Unbedingt vorbeischau’n! Das Auge isst mit! Die Bauart dieser Damen beflügelt. Da ist mir sogar die zeitweilige Trockenheit
ihrer Wollwürste wurst, obwohl ich sonst kulinarisch sehr empfindlich bin. Im Zweifel zählt die Atmosphäre - Habe die Ehre! Ihr Vinzenz Festlmeier


