in der Gärtnerei Steinhilber
Humoristische Laudatio der „Altneihauser Feierwehrkapell’n“
(Verfasser Norbert Neugirg © 2006)
Wer mit Gewächs sein Haus verstopft
und Grünzeug gegen Geld verklopft,
das wenigstens ein Stück zunächst
daheim beim Kunden weiter wächst
bis es die Kunden selbst ausreißen,
darf sich in Bayern Gärtner heißen.
Bayerns Gärtner sind auf Draht,
verhökern nicht nur Blattspinat
sondern wirbeln zwecks Verkauf
jährlich Staub und Humus auf,
wenn sie mit einem neuen Namen
ein Pflänzchen aus der Kiste kramen.
Wird der Stängel vorgestellt,
wird natürlich laut gebellt
und man holt mit und ohne Gagen
Leute mit Visagen,
die, verknautscht wie alte Binsen,
dauernd aus der Zeitung grinsen
und die Politik wird auch gebeten
zum Pflanzentamtam anzutreten.
Um den Krokus heut’ zu taufen,
kam nicht nur ein Haufen
provinzieller Prominenz gelaufen,
nein – mitten unterm Landvolk drin
verdrängt die Frau Ministerin,
die für Bundes- und Europamist
der Ackergaul vom Edmund ist,
die Landluft, die vom Volk ausgeht,
das um sie versammelt steht.
Frau Emilia aus der Oberpfalz,
Ministerin mit Hirn und Schmalz,
die – vergleicht man mal die Geistesgrößen –
das Zeug hat, Edmund abzulösen,
wagte sich am hellen Tag
an die Achse Nürnberg – Prag
und auf eines Gärtners Bitte
in Europas gold’ne Mitte,
die bald mit Böhmen fusioniert,
weil sich’s mit München nicht rentiert.
Trotz Bundes- und Europaposten
kam sie in den nahen Osten
Bayerns, wo der Stahl Schorsch haust,
weil’s der Frau vor gar nichts graust.
Nichts vermochte ums Verrecken
die Frau Minister abzuschrecken:
Die Reden nicht der teils verbrauchten
heut’ Vormittag hier Aufgetauchten,
nicht die Brüder des Verbandes
des Zwiebelzieherstandes,
nicht die verarmten Mittelständler,
die Gärtner und die Kaktushändler,
nicht die Siedler und Berufschullehrer
und auch nicht die Gastzuhörer
und hiesigen Vereinsvertreter –
auch nicht die CSU-Anbeter,
die farblos, gelb und rot-gefärbten
und die von Böhmens Wind gegerbten
Bauern und vergleichbaren Gestalten
war’n fähig, Müller fern zu halten.
Nicht in der Lage dazu ferner
war Neustadts roter Werner
Gerd, der schon seit Jahren unbeirrt
probiert, dass er die Stadt regiert,
von der CSU umstellt
wie roter Mohn im Odelfeld
und ein Häuflein, teils vergreister,
randböhmischer Bürgermeister
nimmt Frau Minister im Verlauf
des Vormittags hier auch in Kauf,
Nicht einmal die Geldverleiher
und der Reservelandrat Ludwig Bayer
versauten dieser Frau die Feier,
so dass sie blieb, das zu begießen,
was die Gärtner sprießen ließen.
Bayerns Gärtnerei-Verband
kämpft für des Gärtners Fortbestand,
denn Bayern soll ja nicht veröden
und im Geiste des Discounts verblöden,
nicht dass dank Billigprimel-Centern
alle Gärtnereien kentern
und Leut’, die keine Ahnung haben,
die Gartenbaukultur begraben.
Weil Bayerns Gärtner auf sich halten
und Bayerns Fluren mitgestalten,
präsentiert mit Sekt und Kaffeekränzchen
der Gärtner jedes Jahr ein Pflänzchen.
So bleibt Bayern bunt, nicht kahl,
Purpurella nennt sich dieses Mal
das Gewächs, ein schönes Kraut,
das purpurn aus dem Mistbeet schaut
und je nachdem, wo es gedeiht,
der Menschheit auf die Netzhaut schreit.
Frau Ministerin, wir danken ihnen,
dass Sie zwecks dem Kraut erschienen
und die Oberpfalz am Rand zu Böhmen
geneigt sind, ständig wahrzunehmen,
trotz der süday’risch wie Blei
schwer verseuchten Staatskanzlei.
Zur Abschreckung an dieser Stelle
musiziert jetzt die Kapelle,
bei der kein Hörer lange bleibt.
Ob’s die Ministerin vertreibt,
bleibt allerdings noch abzuwarten,
denn die Frau zählt zu den harten
und leidensfähigsten Gestalten,
die sich unterm Edmund halten.
Frau Ministerin, falls sie doch geh’n,
ich hoff’, dass wir uns wiederseh’n.
Mögen Sie wie Purpurella sprießen,
ich freue mich, Sie nächstens – damit darf ich schließen –
als Ministerpräsidentin zu begrüßen.
Diesem Wunsch gilt der Applaus –
es grüßt die „Feierwehr aus Altneihaus“


