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Artikel aus » "Der neue Tag" vom 12.02.2007

Bei der "Fastnacht in Franken" trat die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" als Pauli-Schutztruppe auf

Veitshöchheim. (dpa/km) Mit ihrem zweiten Auftritt hat sich die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" aus Neuhaus/Windischeschenbach einen festen Platz in der fränkischen Fastnachts-Hochburg Veitshöchheim erobert. Fast jeder zweite Fernsehzuschauer in Bayern verfolgte die Prunksitzung am Freitag - eine Rekordquote, an der die Spritzenmänner aus der Oberpfalz maßgeblichen Anteil hatten.

Kommandant Norbert Neugirg und seine Mannen standen unter erheblichem Aktualitätsdruck. Erst kurz vor Sendebeginn um 19 Uhr war klar, dass eine der Hauptpersonen des Abends, die Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli, im Engelskostüm erscheinen würde. Dennoch hörten die Narren bei der "Fastnacht in Franken" aus Neugirgs Feder geschliffene Verse zu den Umtrieben der Fürther Landrätin.

Spöttische Bemerkungen über ihre Rolle bei der Entmachtung des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber zogen sich quer durchs Programm. So sagte die Karlstädter Karnevalistin Gerlinde Heßler, die als Überbleibsel des deutschen Fußball-Sommermärchens ihre Runde durch den Saal drehte, zu Pauli: "Eins wundert mich immer noch: Jetzt sind Sie schon 30 Jahre Parteimitglied - und merken erst jetzt, in welcher." Die schrulligen Witwen "Waltraud und Mariechen" (Volker Heißmann und Martin Rassau) meinten sogar: "Die Pauli als Engelchen, also suuuper scheinheilig", was die rund 600 Gäste in den Mainfrankensälen mit tosendem Applaus würdigten.

Der "Innen-Minister-Präsident" Günther Beckstein (CSU) hatte sich als Ritter verkleidet - mit Kettenhemd, Brustpanzer und weiß-blauem Schild, auf dem das fränkische Wappen prangte. "Ritter Rost" (so nannte ihn Neugirg) beteuerte vieldeutig, er sei "für alles, was in den nächsten Monaten ansteht, gewappnet".

Nicht zimperlich behandelten die Büttenredner auch den
Oppositionsführer im Landtag, Franz Maget. Der SPD-Politiker kam als Indianerhäuptling mit Kriegsbeil und Friedenspfeife. "Wenn Sie schon das ganze Jahr nicht auffallen, dann wenigstens in Veitshöchheim", spottete Heßler. In den Hauptrollen der Inszenierung vor prächtiger Märchenkulisse brillierten auch Stimmenimitator und Sitzungspräsident Bernd Händel und die flotten Gardemädchen. Bei altbekannten Gesichtern wie Wolfgang Düringer, der als "Krankenkassenpatient" über seine Erfahrungen berichtete, oder dem Schweinfurter Peter Kuhn als Scheich klatschten sich die Zuschauer die Hände warm.

Närrische Zielscheibe war auch Wirtschaftsminister Erwin Huber. Vieldeutig hatte er sich als Stierkämpfer verkleidet. Das Kostüm sei freilich keine Anspielung auf den Kampf um den CSU-Chefsessel mit Bundesagrarminister Horst Seehofer. Die Gebrüder Narr, die sich nach 20 Jahren beim fränkischen Fasching vom Publikum verabschiedeten, witzelten: "Huber hat sich jetzt ein Tandem zugelegt. Der will nicht nur einfach Huber heißen, sondern Seehuber."

Neugirg erlaubte sich sogar ein paar Seitenhiebe auf das Saalpublikum. Übel nahm's ihm niemand, als er am Ende des Auftritts reimte: "In Franken war's wie immer toll, und hat man dann die Schnauze voll, verlässt man dieses Volk ganz gern. Wer Franken kennt, liebt's auch von fern."

Die mehr als dreistündige Kult-Sendung erreichte nach BR-Angaben eine Einschaltquote von 47,9 Prozent. Die Aufzeichnung ist am 20. Februar von 12.50 bis 16 Uhr nochmals zu sehen.