Zeitungsbericht aus "» Der neue Tag" vom 03.11.2006
FEINSINNIGER BEOBACHTER MIT WITZ UND ESPRIT
Norbert Neugirg stellt sein im Buch & Kunstverlag erschienenes Werk "Was ich so denk'" vor
Von Michael Ascherl
Windischeschenbach. Einer, der nur Unsinn treibt / statt schwarzer Zahl'n Gedichte schreibt, / und Kolumnen für ein Blatt, / das die gar nicht nötig hat, / bringt das Zeug zum großen Graus / jetzt auch noch als Buch heraus. Soweit unser - zugegeben erbärmlicher - Versuch, Norbert Neugirg zu kopieren. Der hat am Dienstagabend ein Heimspiel, als er auf der Tenne des Schafferhofes in Neuhaus sein Buch "Was ich so denk'" vorstellt.
Das Publikum sitzt dicht an dicht im alten Stadel, als Neugirg auf die Bühne tritt, nach und nach gefolgt von den Musikanten "seiner" Altneihauser Feierwehrkapell'n, deren Kopf der 46-Jährige ist. Der Autor verzichtet am Dienstag auf die Uniform, lässt Schminke und Verkleidung weg und stattdessen Worte wirken.
Meisterhafter Vortrag
Das Buch enthält ausgewählte Kolumnen aus der Wochenendbeilage unserer Zeitung und eine Reihe von Versen, die Neugirg aus seinen Auftritten entnommen hat. Er trägt diese auf dem Schafferhof nicht nur meisterhaft vor (bei "Weiß-blau kariert" schließt man die Augen und sieht den Polt), sondern hat sie in ein Programm eingebunden, in dem die Kapelle eine wesentliche Rolle spielt.
Als es um die "Liebeserfahrungen zweier siebenjähriger Saufratzn" geht ("I bin gern alloi im Bett"), erklingt zum Beispiel "Je t'aime". Und wenn Neugirg über die Liebe der Regensburger zur Donau sinniert ("sie besuchen sich regelmäßig gegenseitig"), blasen seine Mannen "Als wir einst in Regensburg waren" ins Auditorium. Neugirg nimmt sich mehr als eine Stunde Zeit.
Er zitiert aus dem "Tagebuch einer alternden Faschingsprinzessin" ("Schleim abgehustet und einen Zigarillo inhaliert"). Er freut sich ironisch, dass die bayerische Sprache "Bäg tu sa ruuds" findet und erntet tosenden Applaus für seine "dialektischen Experimente". "Näher mein Gott zu dir" und "Keine Zeit" sind Texte, die auch ein wenig nachdenklich stimmen, ohne natürlich auf Neugirgschen Humor zu verzichten.
Für Schafferhof-Wirt Reinhard Fütterer ist die Buchvortsellung eine Premiere: "Die erste seit mehr als 700 Jahren in diesem Haus." Im Schafferhof probt die Kapelle und hier kehrt sie auch ein, wenn sie nach ihren Auftritten spät nachts heimkommt. "Meistens kriegen wir dann den letzten Schnirpfel Speckwurst", erzählt Neugirg. Bürgermeister Andreas Meier freut sich nicht nur über Neugirg als ein echtes Original der Stadt, sondern fast noch mehr über die Tatsache, dass er - trotz stattlicher Erscheinung - neben dem Trommler der Kapelle aussieht wie ein Hänfling.
Der Prokurist des Buch & Kunstverlages Oberpfalz, Günter Moser, überreicht die ersten, druckfrischen Exemplare an Neugirg und die Musikanten: "Das ist der Knaller des späten Bücherherbstes!"
Mit Zugaben schließlich, knausert die Kombo: "Was wollen Sie denn für ihre lumpigen fünf Euro noch alles verlangen?", meint Neugirg und weist damit auf eine weitere Premiere hin: dies ist die erste Buchvorstellung des Verlags, für die Eintritt kassiert wird.
Die Familie hilft mit
Am Verkaufsstand, den Neugirgs Frau Christa und Tochter Marianna betreuen, gibt es dichtes Gedränge. Der Autor versieht die Bücher mit persönlichen Widmungen. Am Donnerstag wiederholte sich das Spektakel auf dem erneut ausverkauften Schafferhof. Am Freitag, 10. November, liest Neugirg, begleitet von der Feierwehrkapell'n in der Buchhandlung Stangl in Weiden. Beginn 20 Uhr.



